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Geburtspositionen

Was sind Geburtspositionen?

Geburtspositionen sind die verschiedenen Körperhaltungen, die eine Frau während der Geburt einnehmen kann, um das Kind auf natürliche Weise zur Welt zu bringen. Die Wahl der Geburtsposition beeinflusst nicht nur das Wohlbefinden der Gebärenden, sondern kann auch den Fortschritt der Geburt, den Sauerstoffversorgung des Kindes sowie die Notwendigkeit medizinischer Eingriffe beeinflussen. Moderne Gebürtshilfe fördert aktiv die freie Wahl der Geburtsposition, da dies die Selbstbestimmung der Frau stärkt und den Geburtsverlauf positiv unterstützen kann.

Bedeutung der Geburtsposition

Die Position während der Geburt hat erheblichen Einfluss auf verschiedene physiologische Prozesse. Aufrechte Positionen nutzen die Schwerkraft, um den Abstieg des Kindes durch den Geburtskanal zu unterstützen. Sie können die Wehentätigkeit verbessern, den Beckendurchmesser vergrößern und den Druck auf die Gefäße der Mutter reduzieren. Flachere Positionen hingegen können in bestimmten medizinischen Situationen bevorzugt werden, etwa bei einer Periduralanleitung (PDA) oder bei speziellen geburtshilflichen Eingriffen.

Häufige Geburtspositionen im Überblick

Aufrechte Positionen

  • Stehen und Gehen: Das aufrechte Stehen oder langsame Gehen während der Eröffnungsphase kann die Wehentätigkeit anregen und den Druck auf den Rücken lindern. Die Schwerkraft unterstützt dabei den Eintritt des Kindes ins Becken.
  • Hocken (Hockposition): Das Hocken gilt als eine der physiologisch günstigsten Positionen, da sie den Beckendurchmesser um bis zu 28 % vergrößern kann. Sie eignet sich besonders für die Austreibungsphase, kann jedoch körperlich anstrengend sein.
  • Kniende Position: Beim Knien wird der Druck auf die Wirbelsäule reduziert. Diese Position eignet sich gut bei Rückenschmerzen während der Wehen und kann auch in Kombination mit einem Geburtsball eingenommen werden.
  • Sitzen auf dem Geburtsstuhl oder Geburtshocker: Ein speziell konstruierter Geburtshocker unterstützt die aufrechte Haltung, entlastet gleichzeitig die Beine und ermöglicht eine gute Betreuung durch die Hebamme.

Seitliche und liegende Positionen

  • Seitenlage (linke Seite): Die Seitenlage, bevorzugt auf der linken Seite, entlastet die großen Blutgefäße (insbesondere die Vena cava inferior) und verbessert die Durchblutung von Mutter und Kind. Sie ist besonders geeignet, wenn eine Verlangsamung der Geburt gewünscht wird oder bei Ermüdung der Gebärenden.
  • Rückenlage (Steinschnittlage): Die klassische Rückenlage wird in vielen Kliniken noch häufig angewendet, da sie den Zugang für medizinische Eingriffe erleichtert. Allerdings kann sie den Blutdruck senken und die Durchblutung des Kindes beeinträchtigen. Sie sollte daher nicht als Standardposition betrachtet werden.

Position auf Händen und Knien

  • Vierpunktestand (Hands-and-Knees-Position): Diese Position ist besonders hilfreich bei Rückenschmerzen, bei einem Steisslagenkind oder wenn das Kind in einer ungünstigen Lage liegt. Sie kann auch bei einer Nabelschnurumschlingung hilfreich sein, da sie den Druck auf die Nabelschnur reduziert.

Geburt im Wasser

  • Wassergeburt: Die Geburt in einer gefüllten Badewanne oder einem speziellen Geburtsbecken vereint mehrere positive Aspekte: Das warme Wasser entspannt die Muskulatur, lindert Schmerzen und ermöglicht der Gebärenden, verschiedene Positionen frei einzunehmen. Studien zeigen, dass die Wassergeburt die Rate an Dammrissen reduzieren und das Schmerzempfinden verringern kann.

Wahl der Geburtsposition

Die ideale Geburtsposition ist individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Lage des Kindes, der Fortschritt der Geburt, das persönliche Wohlbefinden der Mutter sowie medizinische Gegebenheiten. Hebammen und Gebürtshelfende spielen eine entscheidende Rolle dabei, die Gebärende bei der Wahl der passenden Position zu unterstützen und sie darin zu begleiten, verschiedene Positionen auszuprobieren. Es wird empfohlen, die Position während der Geburt mehrfach zu wechseln, um den Fortschritt zu fördern und den Komfort zu erhalten.

Vorteile aufrechter Geburtspositionen

  • Nutzung der Schwerkraft zur Unterstützung des Geburtsfortschritts
  • Vergrößerung des Beckendurchmessers
  • Verbesserung der Sauerstoffversorgung des Kindes
  • Reduktion von Schmerzen, insbesondere im Rücken
  • Kürzere Eröffnungs- und Austreibungsphase in einigen Fällen
  • Geringerer Bedarf an wehenstimulierenden Medikamenten

Medizinische Einschränkungen

In bestimmten medizinischen Situationen kann die freie Wahl der Geburtsposition eingeschränkt sein. Dazu zählen unter anderem eine Periduralanlisthesie (PDA), bestimmte Risikoschwangerschaften, die kontinuierliche CTG-Überwachung oder operative Geburten. In solchen Fällen arbeiten Hebammen und Ärzteschaft gemeinsam daran, den bestmöglichen Kompromiss zwischen medizinischer Sicherheit und dem Wohlbefinden der Gebärenden zu finden.

Quellen

  1. Gupta, J. K., Sood, A., Hofmeyr, G. J., & Vogel, J. P. (2017). Position in the second stage of labour for women without epidural anaesthesia. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 5. DOI: 10.1002/14651858.CD002006.pub4
  2. Simkin, P. & Ancheta, R. (2017). The Labor Progress Handbook: Early Interventions to Prevent and Treat Dystocia (4. Auflage). Wiley-Blackwell.
  3. Weltgesundheitsorganisation (WHO) (2018). WHO recommendations: intrapartum care for a positive childbirth experience. Genf: WHO. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241550215
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