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Der Greifreflex (auch palmarer Greifreflex oder plantarer Greifreflex) ist ein angeborener Primitivreflex, der bei Neugeborenen und Säuglingen aufträgt. Er beschreibt die unwillkürliche Bewegung, bei der die Finger oder Zehen sich schließen und einen Gegenstand umgreifen, sobald die Handfläche oder die Fußsohle berührt wird. Dieser Reflex gehört zu den sogenannten Neugeborenenreflexen oder Primitivreflexen und spielt eine wichtige Rolle bei der Beurteilung der neurologischen Entwicklung eines Kindes.
Der palmarer Greifreflex betrifft die Hände. Wenn ein Finger oder ein Gegenstand in die Handfläche eines Neugeborenen gedrückt wird, schließen sich die Finger reflexartig und umgreifen den Stimulus fest. Dieser Reflex ist bei Neugeborenen besonders ausgeprägt und lässt sich bereits im Mutterleib beobachten.
Der plantarer Greifreflex betrifft die Füße. Bei Berührung des vorderen Teils der Fußsohle krollen sich die Zehen nach unten und innen, als würden sie versuchen, den Gegenstand zu greifen. Dieser Reflex ist ähnlich wie der palmarer Greifreflex und wird ebenfalls bei der neurologischen Untersuchung von Säuglingen geprüft.
Der Greifreflex hat eine wichtige biologische und evolutionsgenetische Bedeutung. Er ermöglicht es Neugeborenen, sich instinktiv festzuhalten, was in der Entwicklungsgeschichte des Menschen das Überleben sicherte. Aus medizinischer Sicht dient der Greifreflex heute als wichtiges Instrument zur Beurteilung der neurologischen Reife und Gesundheit eines Neugeborenen.
Der palmarer Greifreflex ist bereits ab der 28. Schwangerschaftswoche nachweisbar und ist bei Neugeborenen vollständig ausgebildet. Im Laufe der normalen Entwicklung verschwindet er:
Das Überleben dieser Reflexe über den normalen Zeitraum hinaus kann auf neurologische Auffälligkeiten hinweisen und sollte ärztlich abgeklärt werden.
Der Greifreflex wird im Rahmen der Neugeborenenuntersuchung (U1 und U2) sowie bei den frühkindlichen Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig geprüft. Die Untersuchung ist einfach und nicht invasiv:
Beurteilt werden dabei die Stärke, die Symmetrie und das altersgerechte Auftreten des Reflexes. Ein asymmetrischer Reflex, bei dem eine Seite stärker oder schwächer ist als die andere, kann auf eine lokale Schädigung der Nerven oder Muskeln hinweisen.
Fehlt der Greifreflex oder ist er deutlich abgeschwächt, kann dies auf verschiedene medizinische Zustände hinweisen:
Umgekehrt kann ein übermäßig starker oder persistierender Greifreflex bei älteren Kindern oder Erwachsenen auf eine Schädigung des Frontallappens des Gehirns hinweisen, etwa bei Demenzerkrankungen oder nach einem Schlaganfall. In diesem Zusammenhang wird er als pathologischer Greifreflex bezeichnet.
Bei gesunden Erwachsenen ist der Greifreflex nicht mehr vorhanden, da er durch willkürliche motorische Kontrolle überlagert wird. Das Wiederauftreten eines Greifre flexes im Erwachsenenalter ist ein neurologisches Warnsignal und wird als Frontallappenzeichen oder Primitivreflex gewertet. Es kann bei folgenden Erkrankungen auftreten: