Grünes Fruchtwasser
Was ist grünes Fruchtwasser?
Grünes Fruchtwasser, medizinisch auch als mekoniumhaltiges Fruchtwasser bezeichnet, entsteht, wenn das ungeborene Kind (Fetus) vor oder während der Geburt Mekonium in das Fruchtwasser absondert. Mekonium ist der erste Stuhlgang eines Neugeborenen und besteht aus Darmsekret, Gallenflüssigkeit, Fruchtwasser und abgestorbenen Zellen. Normalerweise findet dieser erste Stuhlgang erst nach der Geburt statt. Tritt er bereits im Mutterleib auf, verfärbt sich das Fruchtwasser grünlich bis dunkelgrün.
Ursachen
Das Auftreten von Mekonium im Fruchtwasser kann verschiedene Ursachen haben:
- Fetaler Stress: Sauerstoffmangel (Hypoxie) oder Unterversorgung des Kindes können dazu führen, dass sich der Darm des Fetus zusammenzieht und Mekonium absondert.
- Übertragung: Kinder, die über den errechneten Geburtstermin hinaus im Mutterleib verbleiben (ab 42. Schwangerschaftswoche), haben ein höheres Risiko für mekoniumhaltiges Fruchtwasser.
- Reife des Darms: Bei reiferen Feten ist der Darm aktiver, weshalb mekoniumhaltiges Fruchtwasser häufiger bei termingerechten oder übertragenen Schwangerschaften vorkommt und selten vor der 34. Schwangerschaftswoche auftritt.
- Nabelschnurkompression: Eine kurzzeitige Kompression der Nabelschnur kann ebenfalls die Ausschüttung von Mekonium auslösen.
- Infektionen: Bestimmte Infektionen in der Schwangerschaft können ebenfalls eine Rolle spielen.
Häufigkeit
Mekoniumhaltiges Fruchtwasser tritt bei etwa 10 bis 15 Prozent aller Geburten auf. In den meisten Fällen verläuft die Geburt trotzdem ohne Komplikationen. Jedoch ist in einem Teil der Fälle erhöhte Wachsamkeit des Geburtsteams erforderlich.
Risiken und mögliche Komplikationen
Die größte Gefahr besteht darin, dass das Neugeborene beim ersten Atemzug Mekonium einatmet. Dies wird als Mekoniumaspirationssyndrom (MAS) bezeichnet und kann zu:
- Atemnöten und Atemnot beim Neugeborenen
- Entzündungen der Lunge (Pneumonie)
- Blockierungen der Atemwege
- In schweren Fällen zu dauerhaften Lungenschaden oder lebensbedrohlichen Zuständen führen
Das Risiko für ein Mekoniumaspirationssyndrom ist abhängig von der Menge und Konsistenz des Mekoniums sowie vom allgemeinen Zustand des Kindes.
Diagnose
Grünes Fruchtwasser wird in der Regel festgestellt, wenn:
- die Fruchtblase springt (Blasensprung) und das abgehende Fruchtwasser grünlich verfärbt ist.
- im Rahmen einer Amnioskopie (Betrachtung des Fruchtwassers durch den Geburtshälskanal) eine grünliche Färbung beobachtet wird.
- beim künstlichen Blasensprung (Amniotomie) mekoniumhaltiges Fruchtwasser sichtbar wird.
Zusätzlich wird das Wohlbefinden des Kindes während der Geburt kontinuierlich per CTG (Kardiotokographie) überwacht, um mögliche Anzeichen von fetalem Stress frühzeitig zu erkennen.
Behandlung und Vorgehen bei der Geburt
Das geburtshilfliche Team reagiert bei grünem Fruchtwasser mit verstärkter Überwachung und entsprechenden Maßnahmen:
- Verstärkte CTG-Überwachung: Das Herzschlagmuster des Kindes wird engmaschig kontrolliert.
- Bereitstellung eines pädiatrischen Teams: Bei der Geburt ist in der Regel ein Kinderarzt oder Neonatologe anwesend, um das Neugeborene sofort zu versorgen.
- Atemwegsmanagement beim Neugeborenen: Unmittelbar nach der Geburt werden die Atemwege des Kindes überprüft und bei Bedarf abgesaugt, um das Einatmen von Mekonium zu verhindern oder zu behandeln.
- Kaiserschnitt: In bestimmten Fällen, insbesondere bei Anzeichen von fetalem Stress, kann ein Kaiserschnitt (Sectio caesarea) notwendig werden.
- Behandlung des Mekoniumaspirationssyndrom: Falls das Kind Mekonium eingeatmet hat, sind intensivmedizinische Maßnahmen wie Sauerstoffgabe, maschinelle Beatmung oder die Gabe von Surfactant möglich.
Prognose
Die Mehrheit der Neugeborenen, bei deren Geburt grünes Fruchtwasser vorhanden war, entwickelt sich vollkommen normal ohne langfristige gesundheitliche Folgen. Bei rechtzeitiger und kompetenter medizinischer Versorgung ist die Prognose in den meisten Fällen gut. Schwere Fälle eines Mekoniumaspirationssyndrom können jedoch eine längere intensivmedizinische Behandlung erfordern.
Quellen
- Vain, N.E. & Batton, D.G. (2009): Meconium aspiration syndrome. In: Goldsmith J.P., Karotkin E.H. (Hrsg.): Assisted Ventilation of the Neonate. Saunders Elsevier.
- Wiswell, T.E. et al. (2000): Delivery room management of the apparently vigorous meconium-stained neonate: results of the multicenter, international collaborative trial. Pediatrics, 105(1):1-7. PubMed PMID: 10617695.
- World Health Organization (WHO): Managing complications in pregnancy and childbirth: a guide for midwives and doctors. 2. Auflage. WHO, Genf 2017.