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HA-Nahrung

Was ist HA-Nahrung?

HA-Nahrung steht für hypoallergene Nahrung und bezeichnet eine spezielle Form der Säuglingsanfangsnahrung, bei der die enthaltenen Kuhmilchproteine enzymatisch aufgespalten (hydrolysiert) werden. Durch diesen Prozess entstehen kleinere Eiweißbausteine (Peptide), die vom Immunsystem des Säuglings weniger leicht als fremd erkannt werden. Dies kann die Wahrscheinlichkeit einer allergischen Sensibilisierung verringern.

HA-Nahrung ist nicht mit therapeutischer Hydrolysatnahrung zu verwechseln, die bei bestehender Kuhmilcheiweißallergie eingesetzt wird. HA-Nahrung dient in erster Linie der Allergieprävention, also der Vorbeugung.

Für wen ist HA-Nahrung geeignet?

HA-Nahrung wird vor allem für Säuglinge empfohlen, bei denen ein erhöhtes Allergierisiko besteht, also wenn ein oder beide Elternteile oder Geschwister an Allergien, Neurodermitis oder Asthma leiden. Folgende Gruppen kommen besonders in Betracht:

  • Babys mit mindestens einem Elternteil oder einem Geschwisterkind mit nachgewiesener Allergie
  • Säuglinge, die nicht oder nur teilweise gestillt werden können
  • Kinder mit familiärer Vorbelastung für atopische Erkrankungen (z. B. Neurodermitis, Heuschnupfen, Asthma)

Gesunde Säuglinge ohne Allergierisiko benötigen keine HA-Nahrung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt generell das ausschließliche Stillen für die ersten sechs Lebensmonate als beste Ernährungsform für Säuglinge.

Wie funktioniert HA-Nahrung?

Der entscheidende Unterschied zwischen herkömmlicher Säuglingsnahrung und HA-Nahrung liegt im Grad der Proteinhydrolyse. Bei der Herstellung werden die Molkenproteine oder Kaseinproteine aus Kuhmilch mithilfe von Enzymen in kleinere Bruchstücke zerlegt. Diese Bruchstücke (Peptide) sind für das noch unreife Immunsystem des Säuglings schwerer als Allergen zu erkennen.

Man unterscheidet zwischen:

  • Partiell hydrolysierten Nahrungen (pHF): Die Proteine sind nur teilweise aufgespalten. Diese werden als HA-Nahrung vermarktet und eignen sich zur Allergieprävention.
  • Extensiv hydrolysierten Nahrungen (eHF): Die Proteine sind stärker aufgespalten. Diese werden bei bestehender Kuhmilcheiweißallergie therapeutisch eingesetzt und gelten nicht als klassische HA-Nahrung.

Ernährungsphysiologische Zusammensetzung

HA-Nahrung erfüllt alle gesetzlich vorgeschriebenen Nährstoffanforderungen für Säuglingsanfangsnahrung gemäß der europäischen Richtlinien. Sie enthält:

  • Kohlenhydrate (meist Laktose oder Maltodextrin)
  • Fette (pflanzliche Öle, oft mit langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie DHA und ARA)
  • Hydrolysierte Proteine (aus Molke oder Kasein)
  • Vitamine und Mineralstoffe gemäß EU-Vorgaben

Der Geschmack von HA-Nahrung kann leicht bitter oder anders als herkömmliche Nahrung sein, was manche Säuglinge zunächst ablehnen. Eine schrittweise Gewöhnung ist in solchen Fällen möglich.

Wissenschaftliche Evidenz zur Allergieprävention

Die Studienlage zur Wirksamkeit von HA-Nahrung bei der Vorbeugung von Allergien ist nicht einheitlich. Während ältere Studien einen positiven Effekt auf die Entstehung von Neurodermitis zeigten, kamen neuere Untersuchungen, insbesondere die GINI-Studie (German Infant Nutritional Intervention Study), zu differenzierteren Ergebnissen.

Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) sowie die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) bewerten die Evidenz wie folgt:

  • Partiell hydrolysierte Molkennahrung (pHF-W) kann bei Risikobabys das Auftreten von Neurodermitis in den ersten Lebensjahren verringern.
  • Ein sicherer Schutz vor Nahrungsmittelallergien oder anderen atopischen Erkrankungen ist nicht eindeutig belegt.
  • Stillen bleibt die erste Empfehlung; HA-Nahrung ist eine Option, wenn Stillen nicht möglich ist.

Anwendung und Dosierung

HA-Nahrung wird wie herkömmliche Säuglingsnahrung zubereitet und gefüttert. Die empfohlene Zubereitung richtet sich nach den Herstellerangaben auf der Verpackung. Grundsätzlich gilt:

  • HA-Nahrung kann von Geburt an als Ergänzung oder Ersatz zum Stillen gegeben werden.
  • Sie sollte idealerweise bis zum Ende des ersten Lebensjahres verwendet werden, wenn eine allergiepräventive Ernährung angestrebt wird.
  • Eine ärztliche oder pädiatrische Beratung vor der Verwendung ist empfehlenswert.

Sicherheit und Verträglichkeit

HA-Nahrung gilt als sicher und gut verträglich für gesunde Säuglinge. Sie ist kein geeignetes Produkt für Babys mit einer bereits diagnostizierten Kuhmilcheiweißallergie – hier sind extensiv hydrolysierte oder aminoSäure-basierte Spezialnahrungen notwendig. Bei Verdacht auf eine bestehende Allergie sollte immer ein Kinderarzt oder eine Kinderärztin aufgesucht werden.

Quellen

  1. Koletzko S. et al. - Erfahrungen mit hydrolysierter Säuglingsnahrung zur Allergieprävention: GINI-Studie. Deutsches Ärzteblatt, 2009.
  2. World Health Organization (WHO) - Infant and Young Child Feeding: Model Chapter for Textbooks. WHO Press, Geneva, 2009. Verfügbar unter: https://www.who.int
  3. Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) - Leitlinie zur Allergieprävention. AWMF-Register Nr. 061-016, 2022. Verfügbar unter: https://www.awmf.org
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