Hämorrhoiden nach Geburt
Was sind Hämorrhoiden nach der Geburt?
Hämorrhoiden sind vergrößerte Gefäßpolster im Bereich des Analkanals, die bei vielen Frauen während der Schwangerschaft oder kurz nach der Entbindung auftreten. Sie gehören zu den häufigsten Beschwerden im Wochenbett und sind in den meisten Fällen harmlos, können jedoch den Alltag nach der Geburt erheblich belasten. Medizinisch spricht man auch von postpartalen Hämorrhoiden.
Ursachen
Die Entstehung von Hämorrhoiden nach der Geburt hat mehrere Ursachen, die oft zusammenwirken:
- Starker Pressdruck während der Geburt: Besonders bei langen Austreibungsphasen werden die Gefäße im Analbereich stark belastet.
- Erhöhter Blutdruck in der Beckenregion: Während der gesamten Schwangerschaft erhöht die wachsende Gebärmutter den Druck auf die Venen im Unterleib.
- Veränderungen im Hormonhaushalt: Schwangerschaftshormone wie Progesteron entspannen die Gefäßwände, was die Bildung von Hämorrhoiden begünstigt.
- Verstopfung: Im Wochenbett kommt es häufig zu Verdauungsproblemen, die durch das erneute Pressen beim Stuhlgang bestehende Hämorrhoiden verstärken können.
- Bewegungsmangel: Bettruhe und eingeschränkte Mobilität nach der Geburt fördern die Entstehung von Hämorrhoiden zusätzlich.
Symptome
Die Beschwerden können je nach Schweregrad der Hämorrhoiden sehr unterschiedlich sein. Typische Symptome sind:
- Juckreiz, Brennen oder Schmerzen im Analbereich
- Helles rotes Blut auf dem Toilettenpapier oder im Stuhlgang
- Druckgefühl oder Fremdgefühl im After
- Nässen oder Schleimabsonderung
- Sichtbare oder tastbare Knoten am Afterausgang (bei fortgeschrittenen Hämorrhoiden)
Je nach Ausprägung werden Hämorrhoiden in vier Schweregrade (Grad I bis IV) eingeteilt, wobei Grad I nur innerlich vorliegt und Grad IV dauerhaft nach außen getreten ist.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine proktologische Untersuchung (Enddarmuntersuchung) gestellt. Der Arzt oder die Ärztin tastet den Analbereich ab und betrachtet ihn mit einem Proktoskop, einem kleinen Spiegelinstrument. Eine ausführliche Anamnese über den Geburtsverlauf, Stuhlgewohnheiten und Beschwerden ist ebenfalls Teil der Diagnose. Bei Blutungen ist es wichtig, andere Ursachen wie Einrisse (Analfissuren) oder Infektionen auszuschließen.
Behandlung
Die meisten postpartalen Hämorrhoiden bilden sich innerhalb weniger Wochen von selbst zurück. Dennoch gibt es verschiedene Maßnahmen, die die Beschwerden lindern und die Heilung unterstützen:
Allgemeine Maßnahmen
- Ballaststoffreiche Ernährung: Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte fördern eine weiche Stuhlkonsistenz und verringern den Pressdruck.
- Ausreichend trinken: Mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungezuckerter Tee pro Tag helfen, Verstopfung zu vermeiden.
- Sitzbäder: Lauwarme Sitzbäder mit Kamille oder Eichenrinde können entzündungshemmend wirken und Beschwerden lindern.
- Kühlende Umschläge: Kühlpads oder feuchte, kühle Tücher können bei Schmerzen und Schwellung kurzfristig Erleichterung bringen.
- Auf Toilettenpressen verzichten: Den Stuhlgang nicht aktiv forcieren, sondern ruhig abwarten.
Medikamentöse Behandlung
- Zinkoxid-Salben oder Suppositorien: Können Juckreiz und Entzündung lokal lindern.
- Kortison-haltige Präparate: Bei starken Entzündungen kurzfristig anwendbar, in Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin und unter Beachtung der Stillverträglichkeit.
- Schmerzmittel: Paracetamol gilt als stilltauglich und kann bei starken Schmerzen eingenommen werden.
- Laxantien: Bei hartnäckiger Verstopfung kann Lactulose oder Macrogol helfen, auch während der Stillzeit in der Regel unbedenklich.
Minimal-invasive und operative Verfahren
Bei ausgeprägten oder langanhaltenden Hämorrhoiden, die auf konservative Maßnahmen nicht ansprechen, stehen weitere Behandlungsoptionen zur Verfügung:
- Sklerosierung (Verödung): Ein Mittel wird in die Hämorrhoide gespritzt, das das Gefäßgewebe schrumpfen lässt.
- Gummibandligatur: Ein Gummiband wird um die Hämorrhoide gelegt, die dann abstirbt und abfällt.
- Operative Entfernung: In seltenen, schweren Fällen kann eine operative Hämorrhoidektomie notwendig sein.
Wann zum Arzt?
Frauen im Wochenbett sollten ärztlichen Rat einholen, wenn:
- die Beschwerden nach zwei bis drei Wochen nicht besser werden,
- starke oder anhaltende Blutungen auftreten,
- Fieber, starke Schmerzen oder Anzeichen einer Infektion vorhanden sind,
- sich ein schmerzhafter, blauer Knoten am After bildet (Hinweis auf ein Perianalthämatom).
Vorbeugung
Um das Risiko von Hämorrhoiden während und nach der Schwangerschaft zu reduzieren, empfehlen sich folgende Maßnahmen:
- Ballaststoffreiche Ernährung bereits in der Schwangerschaft
- Regelmäßige, leichte Bewegung wie Spazierengänge oder Schwimmen
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Beckenbodengymnastik zur Unterstützung der Durchblutung
Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI): Gesundheit in Deutschland. Kapitel Verdauungsorgane. Berlin, 2023.
- Leitlinienprogramm der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (DGK): S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden. AWMF-Registernummer 081-007, 2019.
- Bharucha AE, Lacy BE: Mechanisms, Evaluation, and Management of Chronic Constipation. Gastroenterology. 2020;158(5):1232-1249.