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Heilnahrung ist ein Oberbegriff für spezielle Säuglingsnahrungen, die bei bestimmten medizinischen Zuständen oder Ernährungsstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Standard-Säuglingsnahrung sind diese Produkte auf spezifische gesundheitliche Bedürfnisse des Kindes abgestimmt und werden häufig auf ärztliche Empfehlung hin verwendet. Heilnahrungen unterliegen in der Europäischen Union strengen gesetzlichen Vorschriften und müssen als diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke zugelassen sein.
Heilnahrung wird bei verschiedenen medizinischen Indikationen empfohlen. Die häufigsten Einsatzgebiete sind:
Bei hydrolysierten Nahrungen werden die Kuhmilchproteine in kleinere Einheiten (Peptide oder Aminosäuren) aufgespalten, sodass das Immunsystem sie weniger leicht als Allergene erkennt. Man unterscheidet:
Diese Nahrungen enthalten Verdickungsmittel wie Johannisbrotkernmehl oder Stärke, die dafür sorgen, dass die Nahrung im Magen besser verbleibt und seltener zurück in die Speiseröhre gelangt.
Bei Säuglingen mit Laktoseunverträglichkeit, häufig temporär nach einem Magen-Darm-Infekt, werden Nahrungen eingesetzt, bei denen Laktose durch andere Kohlenhydrate ersetzt wurde.
Bei angeborenen Stoffwechselstörungen wie Phänylketonurie (PKU), Ahornsirupkrankheit oder organischen Azidopathien sind individuell angepasste Heilnahrungen lebensnotwendig. Diese Nahrungen enthalten keine oder stark reduzierte Mengen der jeweiligen kritischen Aminosäuren.
Heilnahrungen müssen trotz ihrer spezialisierten Zusammensetzung alle notwendigen Nährstoffe für eine gesunde Entwicklung des Säuglings liefern. Dazu gehören:
Die Anwendung von Heilnahrung sollte stets in Absprache mit einem Kinderarzt oder einer Kin derärztin erfolgen. Die Zubereitung richtet sich nach den Herstellerangaben und unterscheidet sich je nach Produkt. Wichtig ist die Einhaltung der korrekten Menge an Wasser und Nahrungspulver, um eine optimale Nährstoffversorgung sicherzustellen. Eine eigenständige Umstellung der Nahrung ohne ärztliche Rücksprache wird nicht empfohlen.
Muttermilch bleibt die beste Ernährung für Säuglinge und sollte wenn möglich bevorzugt werden. Bei stillenden Müttern von Kindern mit Kuhmilchproteinallergie kann eine kuhmilchfreie Diät der Mutter ausreichen. Heilnahrung kommt dann zum Einsatz, wenn Stillen nicht möglich ist oder nicht ausreicht.
In der EU unterliegen Heilnahrungen der Verordnung (EU) Nr. 609/2013 über Lebensmittel für säuglinge und Kleinkinder sowie der delegierten Verordnung (EU) 2016/128 zu diätetischen Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke. Die Produkte müssen vor dem Inverkehrbringen bei den zuständigen Behörden notifiziert werden und strenge Zusammensetzungsanforderungen erfüllen.