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Hyperlaktation

Was ist Hyperlaktation?

Hyperlaktation (auch Hyperlaktationssyndrom genannt) beschreibt einen Zustand, bei dem eine stillende Mutter deutlich mehr Muttermilch produziert, als ihr Baby benötigt. Während eine ausreichende Milchproduktion für das Stillen essenziell ist, kann ein Überschuss zu erheblichen Problemen für Mutter und Kind führen. Hyperlaktation ist keine seltene Erscheinung und tritt häufig in den ersten Wochen nach der Geburt auf, kann aber auch länger anhalten.

Ursachen

Die genauen Ursachen der Hyperlaktation sind nicht immer eindeutig klärbar. Folgende Faktoren können eine Rolle spielen:

  • Hormonelle Faktoren: Ein erhöhter Prolaktinspiegel, das Hormon, das die Milchproduktion steuert, kann zu einer übermäßigen Milchbildung führen.
  • Häufiges Abpumpen: Zusätzliches Abpumpen über den Bedarf des Kindes hinaus stimuliert die Brust zur Mehrproduktion.
  • Falsche Stilltechnik: Häufiger Brustwechsel beim Stillen (sogenanntes "Wechselstillen") kann die Brust dazu veranlassen, mehr Milch zu produzieren.
  • Individuelle Veranlagung: Manche Frauen produzieren von Natur aus mehr Milch als andere.
  • Bestimmte Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel: Galaktagoge (milchfördernde Substanzen) können die Produktion zusätzlich anregen.

Symptome

Symptome bei der Mutter

  • Pralle, oft schmerzhafte Brustspannung (Bruststärkung)
  • Starker Milcheinschuss und unerwartetes Milchlaufen
  • Mastitis (Brustentzündung) durch Überstauung
  • Schmerzen beim Stillen durch starken Milchfluss
  • Milchstau und erhöhtes Risiko für Milchgangszysten

Symptome beim Baby

  • Verschlucken, Würgen oder Husten an der Brust durch starken Milchfluss
  • Aufgeblähter Bauch, Blahungen und Koliken
  • Grünlicher, schaumiger Stuhl (durch Überschuss an Vordermilch)
  • Unruhe, Häkeln oder Weinen an der Brust
  • Schlechte Gewichtszunahme trotz häufigen Stillens (selten)
  • Erbrechen nach dem Stillen

Diagnose

Die Diagnose der Hyperlaktation erfolgt in der Regel klinisch durch eine Stillberaterin (IBCLC, International Board Certified Lactation Consultant) oder eine Ärztin bzw. einen Arzt. Dabei werden folgende Aspekte beurteilt:

  • Beobachtung einer Stillmahlzeit
  • Erfassung der Stillhäufigkeit und der abgepumpten Milchmenge
  • Beurteilung des Gewichtsverlaufs des Babys
  • Ausschluss anderer Ursachen wie Reflux oder Laktoseintoleranz beim Baby
  • Gegebenenfalls Blutuntersuchung zur Bestimmung des Prolaktinspiegels der Mutter

Behandlung und Management

Hyperlaktation lässt sich in den meisten Fällen durch verhaltensändernde Maßnahmen gut behandeln. Eine professionelle Stillberatung ist dabei der wichtigste erste Schritt.

Stillmanagement

  • Block-Stillen: Das Baby wird über einen festgelegten Zeitraum (z. B. 2 bis 4 Stunden) nur an einer Brust angelegt, um die Produktion in der jeweils anderen Brust zu reduzieren.
  • Stillposition anpassen: Rückläufige oder liegende Stillpositionen (z. B. Entspannungsstillen) verlangsamen den Milchfluss und erleichtern dem Baby das Trinken.
  • Abpumpen reduzieren: Zusätzliches Abpumpen sollte auf ein Minimum reduziert werden, da es die Produktion weiter anregt.
  • Milch vor dem Stillen ablaufen lassen: Kurzes Ablaufenlassen oder Abpumpen einer kleinen Menge vor dem Anlegen kann den starken Milcheinschuss abschwächen.

Medizinische Maßnahmen

In schweren Fällen, die auf Verhaltensänderungen nicht ausreichend ansprechen, können ärztlich verordnete milchhemmende Medikamente (z. B. Cabergolin oder Bromocriptin) in Betracht gezogen werden. Diese sollten jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden. Auch das Auftragen von kalt gestellten Kohlblättern auf die Brust ist eine traditionelle Methode zur Linderung von Beschwerden bei Überstauung.

Wann zum Arzt oder zur Stillberaterin?

Eine ärztliche oder stillberäterliche Unterstützung sollte zeitnah in Anspruch genommen werden, wenn:

  • das Baby beim Stillen regelmäßig hustet, würgt oder schlechte Gewichtszunahme zeigt
  • die Mutter unter wiederkehrenden Milchstaus oder Brustentzündungen leidet
  • die Beschwerden trotz erster Maßnahmen nicht nachlassen
  • das Stillen als sehr belastend empfunden wird

Prognose

Mit der richtigen Unterstützung und gezielten Maßnahmen lässt sich Hyperlaktation in den meisten Fällen gut regulieren. Viele Frauen können nach einer Anpassungsphase erfolgreich und beschwerdefrei weiterstillen. Geduld und professionelle Begleitung sind dabei entscheidend.

Quellen

  1. Wambach K, Spencer B (Hrsg.) - Breastfeeding and Human Lactation, 6. Auflage, Jones & Bartlett Learning, 2021.
  2. World Health Organization (WHO) - Infant and young child feeding: Model Chapter for textbooks for medical students and allied health professionals, WHO Press, 2009. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241597494
  3. Kellams A et al. - ABM Clinical Protocol #3: Supplementary Feedings in the Healthy Term Breastfed Neonate, Revised 2017. Breastfeeding Medicine, 2017;12(4):188-198. doi:10.1089/bfm.2017.29038.ajk
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