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IgG

Was ist IgG?

IgG (Immunglobulin G) ist die am häufigsten vorkommende Klasse von Antikörpern im menschlichen Blut. Es macht etwa 70–80 % aller Antikörper im Serum aus und gehört zu den wichtigsten Bestandteilen des adaptiven Immunsystems. Antikörper sind Eiweißmoleküle, die vom Immunsystem produziert werden, um Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und andere Fremdstoffe (sogenannte Antigene) zu erkennen und zu neutralisieren.

IgG wird von spezialisierten Immunzellen, den sogenannten Plasmazellen, gebildet. Es ist das einzige Immunglobulin, das die Plazentaschranke passieren kann und so vom Mutterorganismus auf das ungeborene Kind übertragen wird – ein Vorgang, der als passive Immunisierung bezeichnet wird und den Neugeborenen in den ersten Lebensmonaten schützt.

Struktur und Unterklassen

IgG besteht aus vier Proteinketten: zwei schweren und zwei leichten Ketten, die durch Disulfidbrücken miteinander verbunden sind und eine Y-förmige Struktur bilden. Beim Menschen werden vier Unterklassen unterschieden:

  • IgG1: Macht den größten Anteil aus; bindet besonders effektiv an Proteinantigene und aktiviert das Komplementsystem.
  • IgG2: Reagiert bevorzugt auf Kohlenhydratantigene, z. B. von Bakterienkapselstrukturen.
  • IgG3: Sehr wirksam bei der Aktivierung des Komplementsystems; hat eine kürzere Halbwertszeit als die anderen Unterklassen.
  • IgG4: Spielt eine Rolle bei allergischen Reaktionen und chronischen Infektionen; beeinflusst Entzündungsreaktionen dämpfend.

Funktionen von IgG

IgG übernimmt im Immunsystem mehrere entscheidende Aufgaben:

  • Neutralisierung: IgG bindet direkt an Krankheitserreger oder Toxine und verhindert so, dass diese in Körperzellen eindringen können.
  • Opsonisierung: IgG markiert Krankheitserreger, sodass sie von Fresszellen (Makrophagen und Neutrophilen) leichter erkannt und beseitigt werden können.
  • Komplementaktivierung: IgG kann das Komplementsystem aktivieren, das zusätzliche Immunmechanismen in Gang setzt und Krankheitserreger direkt abtöten kann.
  • Immungedächtnis: Nach einer Infektion oder Impfung bleiben IgG-Antikörper über Monate bis Jahre im Blut nachweisbar und ermöglichen eine schnelle Immunantwort bei erneutem Kontakt mit dem gleichen Erreger.
  • Mutterschutz für Neugeborene: IgG ist das einzige Immunglobulin, das aktiv durch die Plazenta transportiert wird und so das Neugeborene während der ersten Lebenswochen schützt.

IgG im Blutbild und Labordiagnostik

Im klinischen Alltag wird der IgG-Spiegel im Blut regelmäßig gemessen, um Informationen über den Immunstatus eines Patienten zu erhalten. Die Bestimmung erfolgt in der Regel aus einer Blutprobe mittels immunologischer Verfahren wie der Nephelometrie oder Turbidimetrie.

Normwerte

Der Normbereich für IgG im Blut bei Erwachsenen liegt typischerweise zwischen 700 und 1600 mg/dl, kann jedoch je nach Labor und Messmethode leicht variieren. Bei Kindern sind die Referenzwerte altersabhängig.

Erhöhte IgG-Werte

Ein erhöhter IgG-Spiegel (Hypergammaglobulinämie) kann auf verschiedene Erkrankungen hinweisen, darunter:

  • Chronische Infektionen (z. B. Hepatitis, HIV)
  • Autoimmunerkrankungen (z. B. Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis)
  • Lebererkrankungen (z. B. Leberzirrhose)
  • Monoklonale Gammopathien (z. B. Multiples Myelom)

Erniedrigte IgG-Werte

Ein zu niedriger IgG-Spiegel (Hypogammaglobulinämie oder Agammaglobulinämie) deutet auf eine gesächwchte Immunabwehr hin und kann folgende Ursachen haben:

  • Primäre Immundefekte (z. B. variables Immundefektsyndrom, CVID)
  • Sekundäre Immundefekte durch Medikamente (z. B. Immunsuppressiva, Zytostatika)
  • Hämatologische Erkrankungen (z. B. chronische lymphatische Leukämie)
  • Nephrotisches Syndrom (erhöhter Eiweißverlust über die Nieren)

IgG und Impfungen

Impfungen sind eine der wichtigsten Anwendungen des IgG-Systems. Nach einer Impfung produziert das Immunsystem spezifische IgG-Antikörper gegen den Impfstoff. Diese Antikörper können im Blut gemessen werden, um den Impferfolg (sogenannte Serokonversion) zu überprüfen. Ein ausreichender IgG-Titer gilt als Zeichen eines wirksamen Impfschutzes.

IgG in der Therapie

IgG-Präparate (sogenannte intravenöse Immunglobuline, IVIG) werden therapeutisch eingesetzt bei:

  • Primären und sekundären Immundefekten
  • Autoimmunerkrankungen wie dem Guillain-Barré-Syndrom oder der idiopathischen thrombozytopenischen Purpura (ITP)
  • Schwerwiegenden bakteriellen oder viralen Infektionen bei Risikogruppen

Dabei werden konzentrierte IgG-Antikörper aus dem Plasma gesunder Spender aufgereinigt und dem Patienten intravenös oder subkutan verabreicht, um dessen Immunsystem zu unterstützen.

Quellen

  1. Janeway CA Jr, Travers P, Walport M, et al. Immunobiology: The Immune System in Health and Disease. 5th edition. New York: Garland Science; 2001.
  2. World Health Organization (WHO). The Immunological Basis for Immunization Series. Module 1: General Immunology. Geneva: WHO; 2020. Verfügbar unter: https://www.who.int
  3. Bonilla FA, Bernstein IL, Khan DA, et al. Practice parameter for the diagnosis and management of primary immunodeficiency. Annals of Allergy, Asthma & Immunology. 2005;94(5 Suppl 1):S1–63.
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