Kontaktschlaf
Was ist Kontaktschlaf?
Kontaktschlaf beschreibt das Phänomen, bei dem Eltern – meist Mütter – gemeinsam mit ihrem Säugling oder Kleinkind schlafen, wobei enger körperlicher Kontakt besteht. Dies kann im Familienbett (sogenanntes Bed-Sharing) oder auf einer gemeinsamen Schlaffläche stattfinden. Kontaktschlaf ist weltweit in vielen Kulturen eine weit verbreitete Praxis und wird von zahlreichen Eltern als natürliche Form der Nähe und Geborgenheit für ihr Kind empfunden.
Formen des Kontaktschlafs
- Bed-Sharing: Eltern und Kind schlafen im selben Bett.
- Co-Sleeping: Oberbegriff für das Schlafen in räumlicher Nähe, z. B. mit einem Beistellbett.
- Sofa- oder Sessel-Schlafen: Schlafen auf dem Sofa mit dem Kind – gilt als besonders risikoreich und sollte vermieden werden.
Mögliche Vorteile des Kontaktschlafs
Befürworter des Kontaktschlafs nennen verschiedene potenzielle Vorteile:
- Stärkung der Eltern-Kind-Bindung: Enger körperlicher Kontakt kann die emotionale Bindung zwischen Elternteil und Kind fördern.
- Unterstützung des Stillens: Studien zeigen, dass Kontaktschlaf die Stilldauer verlängern kann, da nächtliches Stillen erleichtert wird.
- Beruhigung des Kindes: Die Nähe zu einer Bezugsperson kann Säuglinge beruhigen und das Einschlafen erleichtern.
- Regulierung physiologischer Funktionen: Einige Forschende beschreiben, dass die Körpernähe zur Elternperson die Herzfrequenz, Atmung und Körpertemperatur des Säuglings positiv beeinflussen kann.
Risiken und Sicherheitsbedenken
Medizinische Fachgesellschaften, darunter die American Academy of Pediatrics (AAP) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), weisen auf erhöhte Risiken hin, die mit dem Kontaktschlaf im selben Bett verbunden sein können:
- Erhöhtes SIDS-Risiko: Das Risiko des plötzlichen Säuglingstods (SIDS) kann durch das Schlafen im Erwachsenenbett erhöht werden, insbesondere bei Säuglingen unter 4 Monaten.
- Erstickungsgefahr: Weiche Matratzen, Kissen, Decken oder schwere Körper können die Atemwege des Kindes einschränken.
- Einklemmen: Das Kind könnte zwischen Matratze und Wand oder Bettgestell eingeklemmt werden.
- Risikoerhöhende Faktoren: Elterliches Rauchen, Alkohol- oder Medikamentenkonsum sowie extreme Müdigkeit erhöhen die Risiken erheblich.
Sicherheitsempfehlungen für Eltern
Wenn Eltern sich für Kontaktschlaf entscheiden, empfehlen Fachleute folgende Sicherheitsmaßnahmen:
- Säuglinge sollten auf dem Rücken schlafen.
- Die Schlaffläche sollte fest und eben sein – keine weichen Matratzen, Wasserbetten oder Sofas.
- Kissen, Decken und andere weiche Gegenstände sollten vom Kind ferngehalten werden.
- Kein Alkohol, keine Sedativa oder Drogen für schlafende Elternteile.
- Nicht rauchen – weder im Schlafzimmer noch sonst in der Wohnung.
- Ein Beistellbett (Side-Car-Crib) kann eine sichere Alternative darstellen, die Nähe ermöglicht und gleichzeitig eine eigene Schlaffläche für das Kind bietet.
Empfehlungen medizinischer Fachgesellschaften
Die meisten westlichen Fachgesellschaften empfehlen, dass Säuglinge im elterlichen Schlafzimmer, aber in einem eigenen Bett schlafen sollten – idealerweise für die ersten 6 bis 12 Monate. Diese Empfehlung vereint den Vorteil der Nähe mit einer reduzierten Risikoexposition. Dennoch wird anerkannt, dass viele Eltern weltweit Kontaktschlaf praktizieren, und daher werden zunehmend risikoreduzierende Strategien kommuniziert.
Quellen
- American Academy of Pediatrics (AAP): Safe Sleep Recommendations, Pediatrics, 2022. Verfügbar unter: https://publications.aap.org/pediatrics
- Blair PS et al. - Hazardous cosleeping environments and risk factors amenable to change: case-control study of SIDS in south west England. BMJ, 2009.
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): Empfehlungen zum sicheren Schlaf für Säuglinge. Verfügbar unter: https://www.kinderaerzte-im-netz.de