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Laktasemangel beim Baby

Was ist Laktasemangel beim Baby?

Laktasemangel beim Baby bezeichnet einen Zustand, bei dem der Säugling oder das Kleinkind nicht ausreichend Laktase produziert. Laktase ist ein Verdauungsenzym, das im Dünndarm gebildet wird und den Milchzucker (Laktose) in die einfachen Zucker Glukose und Galaktose aufspaltet, damit diese in die Blutbahn aufgenommen werden können. Fehlt dieses Enzym oder ist seine Aktivität zu gering, gelangt unverdaute Laktose in den Dickdarm, wo Darmbakterien sie zersetzen und dabei Gase sowie Säuren produzieren, die typische Beschwerden auslösen.

Es ist wichtig zu betonen, dass ein vollständiger, angeborener Laktasemangel bei Neugeborenen und Säuglingen sehr selten ist. Viel häufiger tritt ein vorübergehender, relativer Laktasemangel auf, zum Beispiel nach einer Darmentzündung oder als Folge einer Frühgeburtlichkeit.

Formen des Laktasemangels beim Baby

Angeborener (kongenitaler) Laktasemangel

Beim angeborenen Laktasemangel (auch Alaktasie genannt) ist das Baby von Geburt an nicht in der Lage, Laktase in ausreichender Menge zu produzieren. Diese Form ist äußerst selten und genetisch bedingt. Sie macht sich bereits bei den ersten Mahlzeiten mit Muttermilch oder herkömmlicher Säuglingsnahrung bemerkbar.

Sekundärer (erworbener) Laktasemangel

Diese Form ist beim Baby deutlich häufiger. Sie entsteht, wenn die Dünndarmschleimhaut durch eine Erkrankung geschädigt wird, zum Beispiel durch:

  • Virale oder bakterielle Magen-Darm-Infektionen (z. B. Rotavirus)
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
  • Allergische Reaktionen auf Kuhmilcheiweiß
  • Langanhaltende Durchfallerkrankungen

Sobald die zugrunde liegende Erkrankung geheilt ist, erholt sich in der Regel auch die Laktaseproduktion.

Laktasemangel bei Frühgeborenen

Frühgeborene Babys haben häufig einen vorübergehenden Laktasemangel, da die Laktaseproduktion im Dünndarm erst gegen Ende der Schwangerschaft, etwa ab der 34. Schwangerschaftswoche, voll ausreift. Mit zunehmendem Wachstum und Reifung des Darms normalisiert sich die Enzymaktivität meist von selbst.

Symptome

Die Beschwerden bei Laktasemangel beim Baby können von leicht bis stark variieren und treten typischerweise kurz nach dem Stillen oder dem Füttern mit einer laktosehaltigen Nahrung auf. Typische Anzeichen sind:

  • Blähungen und ein aufgeblähter Bauch
  • Bauchkrämpfe, die sich durch Schreien und Unruhe des Babys äußern
  • Wässeriger, saurer Durchfall
  • Wundwerden des Pos durch säurehaltigen Stuhl
  • Blähungen mit häufigem Winde-Ablassen
  • In schweren Fällen: Gedeihstörungen durch mangelnde Nährstoffaufnahme

Es ist zu beachten, dass diese Symptome ähnlich wie bei anderen Zuständen wie Koliken, einer Kuhmilcheiweißallergie oder Reflux aussehen können. Eine sorgfältige Diagnostik durch einen Kinderarzt ist daher wichtig.

Diagnose

Die Diagnose eines Laktasemangels beim Baby wird vom Kinderarzt (Pädiater) gestellt und umfasst verschiedene Schritte:

  • Krankengeschichte und Ernährungsprotokoll: Der Arzt befragt die Eltern zu den Symptomen, deren Zeitpunkt und der Ernährung des Babys.
  • pH-Wert des Stuhls: Ein saurer Stuhl-pH-Wert (unter 5,5) kann auf unverdaute Laktose im Dickdarm hinweisen.
  • Reduzierende Substanzen im Stuhl: Ein einfacher Test kann unverdauten Zucker im Stuhl nachweisen.
  • Wasserstoff-Atemtest (H2-Atemtest): Dieser Test misst die vom Dickdarm produzierten Gase und ist bei älteren Kleinkindern anwendbar.
  • Probatorische Diät: Eine vorübergehende Umstellung auf laktosefreie Nahrung, um zu beobachten, ob sich die Symptome verbessern.

Behandlung

Diätetische Maßnahmen

Die Behandlung richtet sich nach der Form und Schwere des Laktasemangels. Bei gestäutigten Babys wird Abstillen nicht empfohlen, da Muttermilch trotz ihres Laktosegehalts eine Vielzahl von Vorteilen bietet und der Laktasegehalt in der Muttermilch selbst hilfreich sein kann. Stattdessen können folgende Maßnahmen helfen:

  • Laktasepräparate für Säuglinge: Spezielle Laktase-Tropfen können der Muttermilch oder der Flaschenmilch beigemischt werden, um die Laktose vorverdauen zu lassen.
  • Laktosereduzierte oder laktosefreie Säuglingsnahrung: Bei Flaschenkind-Babys kann auf spezielle Hydrolysatnahrung oder laktosefreie Pränahrung umgestellt werden.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei sekundärem Laktasemangel steht die Behandlung der auslösenden Erkrankung im Vordergrund.

Beobachtung und Nachsorge

Viele Fälle eines sekundären Laktasemangels beim Baby sind vorübergehend. Nach der Genesung von einer Darminfektion kann der Arzt empfehlen, laktosehaltige Nahrung schrittweise wieder einzuführen und die Verträglichkeit zu beobachten. Regelmäßige Kontrolltermine beim Kinderarzt sind wichtig, um das Gedeihen des Kindes zu überprüfen.

Wann zum Arzt?

Eltern sollten umgehend einen Kinderarzt aufsuchen, wenn ihr Baby:

  • Anhaltenden, wässerigen Durchfall hat
  • Zeichen von Austrocknung (Dehydration) zeigt (trockene Windeln, trockene Schleimhäute, eingefallene Fontanelle)
  • Nicht ausreichend zunimmt oder Gewicht verliert
  • Stark und untröstlich schreit
  • Blut im Stuhl hat

Quellen

  1. Misselwitz B. et al. - Lactose malabsorption and intolerance: pathogenesis, diagnosis and treatment. United European Gastroenterology Journal, 2013.
  2. Heyman M.B.; American Academy of Pediatrics Committee on Nutrition - Lactose Intolerance in Infants, Children, and Adolescents. Pediatrics, 2006.
  3. Koletzko B. (Hrsg.) - Kinder- und Jugendmedizin. Springer Verlag, 14. Auflage, 2013.
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