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Die Milchfettkügelchenmembran (englisch: Milk Fat Globule Membrane, kurz MFGM) ist eine dreischichtige biologische Hüllstruktur, die die Fetttröpfchen (Lipidtropfen) in Muttermilch und anderen Säugetiermilchen umgibt. Sie entsteht während der Milchsynthese in den Drküsenzellen der Brust, wenn Fetttröpfchen von der Zellmembran umschlossen werden und dabei ein mehrschichtiges Membransystem bilden.
Die MFGM ist kein einheitlicher Stoff, sondern ein komplexes Gemisch aus Lipiden und Proteinen. Sie macht etwa 1–4 % der Gesamtlipide der Milch aus und besitzt eine einzigartige biochemische Zusammensetzung, die intensiv in der Ernährungs- und Neurowissenschaft erforscht wird.
Die MFGM besteht aus einer Vielzahl bioaktiver Komponenten, die gemeinsam ihre physiologischen Wirkungen entfalten:
Phospholipide und Ganglioside der MFGM sind strukturelle Bausteine des Gehirns und der Nervenscheiden. Klinische Studien zeigen, dass eine erhöhte Zufuhr von MFGM-Komponenten bei Säuglingen und Kleinkindern mit einer verbesserten kognitiven Entwicklung, Sprache und motorischen Fähigkeiten assoziiert ist. Besonders Sphingomyelin ist ein wesentlicher Baustein der Myelinscheiden, die Nervenfasern isolieren und die Signalleitung beschleunigen.
Proteine wie Mucin 1 und Lactadherin können Krankheitserreger wie Viren und Bakterien binden und so deren Anlagerung an die Darmschleimhaut verhindern. Studien legen nahe, dass MFGM-haltige Ernährung die Häufigkeit von Atemwegs- und Magen-Darm-Infektionen bei Kleinkindern reduzieren kann. Darüber hinaus unterstützen Ganglioside die Reifung des Immunsystems.
Die Phospholipide der MFGM fördern die Integrität der Darmbarriere und tragen zu einer gesunden Zusammensetzung der Darmflora (Mikrobiom) bei. Dies ist insbesondere für Säuglinge relevant, da ein gesundes Mikrobiom mit langfristiger Gesundheit und einem reduzierten Allergierisiko in Verbindung gebracht wird.
Erste Studien deuten darauf hin, dass MFGM-Komponenten einen positiven Einfluss auf Cholesterinwerte und Entzündungsmarker haben können, was das kardiometabolische Risiko möglicherweise senkt. Die Forschung in diesem Bereich ist jedoch noch nicht abgeschlossen.
Die MFGM kommt natürlicherweise in Muttermilch vor, wo sie einen wesentlichen Teil der bioaktiven Komponenten ausmacht. In Kuhmilch und Milchprodukten (insbesondere Butter und Rahm) ist MFGM ebenfalls enthalten, jedoch in veränderter Menge und Zusammensetzung. Bei der industriellen Milchverarbeitung kann die MFGM-Struktur durch Homogenisierung und Pasteurisierung teilweise verändert oder beschädigt werden.
Herkömmliche Säuglingsnahrung auf Kuhmilchbasis enthält im Vergleich zur Muttermilch deutlich weniger MFGM. Aus diesem Grund werden heute einige Säuglingsnahrungen gezielt mit MFGM-Extrakten angereichert, um die Zusammensetzung der Muttermilch besser nachzuahmen.
MFGM-Extrakte, die überwiegend aus Süßmolkenbutter oder Buttermilch gewonnen werden, sind heute als Nahrungsergänzungsmittel und funktionelle Lebensmittelzutaten erhältlich. Sie werden vor allem in folgenden Bereichen eingesetzt:
Die Sicherheit von MFGM-Extrakten gilt bei empfohlenen Mengen als gut belegt. Personen mit Milcheiweißallergie oder Laktoseintoleranz sollten jedoch Rücksprache mit einem Arzt halten, da MFGM-Präparate aus Milchprodukten hergestellt werden.
Die Erforschung der MFGM hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Randomisierte kontrollierte Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse hinsichtlich kognitiver Entwicklung und Infektionsschutz bei Säuglingen. Dennoch sind weitere großangelegte Langzeitstudien notwendig, um alle potenziellen gesundheitlichen Vorteile abschließend zu bewerten. Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat die Sicherheit von MFGM-Zutaten in Säuglingsnahrung positiv bewertet.