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Der Begriff Nahrungsneophobie (auch: Lebensmittelneophobie) bezeichnet die ausgeprägte Abneigung oder Angst eines Kleinkindes gegenüber unbekannten oder neu angebotenen Lebensmitteln. Das Kind lehnt neue Speisen ab – oft ohne sie auch nur zu probieren. Dieses Verhalten ist eine natürliche Entwicklungsphase und tritt besonders häufig im Alter von etwa zwei bis sechs Jahren auf. Es ist von der sogenannten wählerischen Ernaßhrung (englisch: Picky Eating) zu unterscheiden, obwohl beide Konzepte eng miteinander zusammenhängen.
Die Ursachen der Nahrungsneophobie sind vielschichtig und umfassen biologische, genetische sowie umweltbedingte Faktoren:
Eltern erkennen die Nahrungsneophobie typischerweise an folgenden Verhaltensweisen:
Wichtig: Die Nahrungsneophobie ist nicht gleichzusetzen mit einer Esstörung. Sie ist eine häufige, normale Entwicklungsphase. Wenn das Verhalten jedoch extrem ausgeprägt ist und zu erheblichem Gewichtsverlust, Nährungsmangel oder starker Beeinträchtigung des Familienlebens führt, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Die Nahrungsneophobie sollte von verwandten Konzepten abgegrenzt werden:
In den meisten Fällen benötigt die Nahrungsneophobie keine medizinische Behandlung im engeren Sinne, sondern vor allem Geduld und eine positive Essatmosphäre. Folgende Strategien haben sich als hilfreich erwiesen:
Studien zeigen, dass Kinder ein neues Lebensmittel bis zu 10–15 Mal angeboten bekommen müssen, bevor sie es akzeptieren. Eltern sollten neue Speisen ohne Druck und Zwang regelmäßig anbieten.
Gemeinsame Mahlzeiten in entspannter Atmosphäre, bei denen Erwachsene neue Lebensmittel selbst essen, fördern die Bereitschaft des Kindes zum Probieren (Lernen am Modell).
Kinder können schrittweise an neue Lebensmittel gewöhnt werden – zunächst durch Betrachten, Berühren oder Riechen, bevor das eigentliche Probieren folgt.
Druck, Bestrafung oder übertriebenes Loben beim Essen können die Abneigung verstärken. Ein neutraler, entspannter Umgang ist empfehlenswert.
Kinder, die beim Einkaufen oder Kochen mithelfen dürfen, zeigen häufig mehr Bereitschaft, neue Speisen zu probieren.
Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn:
In solchen Fällen können Pädiater, Ernährungsberater oder auf Esstörungen spezialisierte Therapeuten weiterhelfen.
Die Nahrungsneophobie ist bei den meisten Kindern eine vorübergehende Phase. Mit zunehmendem Alter – in der Regel ab dem Schulalter – nimmt die Bereitschaft, neue Speisen zu probieren, bei den meisten Kindern deutlich zu. Eltern, die geduldig und konsequent neue Lebensmittel ohne Druck anbieten, unterstützen ihre Kinder optimal bei der Entwicklung eines vielseitigen Essverhaltens.