Neugeborenenakne
Was ist Neugeborenenakne?
Die Neugeborenenakne (lat. Acne neonatorum) ist eine gutartige, vorrübergehende Hauterkrankung, die bei Neugeborenen und jungen Säuglingen auftritt. Sie äußert sich in Form von kleinen roten Pickeln, Pusteln oder Papeln, die vor allem im Gesicht – insbesondere auf den Wangen, der Nase und der Stirn – auftreten. Die Erkrankung betrifft schätzungsweise 20 bis 30 Prozent aller Neugeborenen und ist in der Regel völlig harmlos.
Ursachen
Die genauen Ursachen der Neugeborenenakne sind nicht vollständig geklärt. Folgende Faktoren werden als mögliche Auslöser diskutiert:
- Mütterliche Hormone: Während der Schwangerschaft gelangen mütterliche Androgene (männliche Geschlechtshormone) über die Plazenta in den kindlichen Blutkreislauf. Diese können die Talgidrüsen des Neugeborenen anregen und so Akne verursachen.
- Unreife Talgidrüsen: Die Hautdrüsen des Neugeborenen sind noch nicht vollständig ausgereift, was zu einer übermäßigen Talgproduktion führen kann.
- Hefepilzbesiedlung: In einigen Fällen wird die Besiedlung der Haut mit dem Hefepilz Malassezia als möglicher Mitauslöser diskutiert.
- Hormonelle Umstellung nach der Geburt: Nach der Geburt beginnt der kindliche Organismus, sich hormonell von der mütterlichen Versorgung zu lösen, was die Haut vorübergehend belasten kann.
Symptome
Die Neugeborenenakne zeigt sich typischerweise durch folgende Hautveränderungen:
- Kleine rote Pickel (Papeln) und eitergefüllte Pusteln
- Auftreten bevorzugt auf den Wangen, der Nase, der Stirn und dem Kinn
- Selten auch am Hals, der Kopfhaut oder dem Rumpf
- Keine Mitesser (Komedonen), wie sie bei der Akne in der Pubertät typisch sind
- Das Allgemeinbefinden des Kindes ist nicht beeinträchtigt
Die Symptome treten meist in den ersten zwei bis vier Lebenswochen auf und können bis zum dritten Lebensmonat andauern.
Diagnose
Die Diagnose der Neugeborenenakne wird in der Regel durch eine klinische Untersuchung durch den Kinderarzt oder die Kinderärztin gestellt. Weitere diagnostische Maßnahmen sind in den meisten Fällen nicht erforderlich. Wichtig ist die Abgrenzung von anderen Hauterkrankungen des Neugeborenen, wie zum Beispiel:
- Erythema toxicum neonatorum: Eine harmlose allergische Hautreaktion, die ähnlich aussehen kann.
- Miliaria: Hitzepickelchen durch verstopfte Schweissdrüsen.
- Milien: Kleine, weiße Knötchen durch eingeschlossene Hautschuppen.
- Infantile Akne: Eine später auftretende Form der Akne (ab dem 3. Lebensmonat), die intensiverer Behandlung bedarf.
Behandlung
In den meisten Fällen ist keine spezifische Behandlung notwendig, da die Neugeborenenakne von selbst abheilt. Folgende Maßnahmen können jedoch helfen:
Allgemeine Pflegehinweise
- Gesicht des Neugeborenen täglich sanft mit lauwarmem Wasser reinigen
- Keine aggressiven Reinigungsmittel oder Cremes verwenden
- Die betroffenen Stellen nicht ausdrcken oder reiben
- Milde, unparfmierte Babyprodukte bevorzugen
- Auf ölhaltige Hautpflegeprodukte verzichten, da diese die Poren verstopfen können
Medizinische Behandlung
In seltenen, ausgepägten Fällen kann der Kinderarzt oder die Kinderärztin eine medizinische Behandlung empfehlen. Dies kann beispielsweise eine schwache Kortikosteroid-Creme oder ein topisches Antimykotikum (bei Verdacht auf Pilzbeteiligung) umfassen. Eine solche Behandlung sollte stets ärztlich begleitet werden.
Verlauf und Prognose
Die Neugeborenenakne ist eine selbstlimitierende Erkrankung, das heißt, sie heilt in den meisten Fällen vollständig und narbenlos innerhalb weniger Wochen bis Monate von selbst ab. Narbenbildung ist sehr selten und tritt nur bei besonders schweren oder unsachgemäß behandelten Verläufen auf. Eltern sollten sich keine Sorgen machen, wenn die Haut ihres Kindes etwas länger braucht, um sich zu klären – Geduld ist hier der wichtigste Ratgeber.
Wann zum Arzt?
In folgenden Situationen sollte ärztlicher Rat gesucht werden:
- Die Hautveränderungen breiten sich stark aus oder werden schlimmer
- Das Kind zeigt Zeichen von Schmerzen oder Unwohlsein
- Die Akne tritt erst nach dem dritten Lebensmonat auf (möglicherweise infantile Akne)
- Es bestehen zusätzliche Symptome wie Fieber oder verändertes Allgemeinbefinden
- Eltern sind unsicher über die Art der Hautveränderung
Quellen
- Eichenfield LF, Krakowski AC, Piggott C et al. - Evidence-Based Recommendations for the Diagnosis and Treatment of Pediatric Acne. Pediatrics. 2013;131(Suppl 3):S163-S186.
- Nast A et al. - S3-Leitlinie zur Therapie der Akne. Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). 2023. Verfügbar unter: www.awmf.org
- Zaenglein AL - Acne Vulgaris. New England Journal of Medicine. 2018;379(14):1343-1352.