Nierenstau in der Schwangerschaft
Was ist ein Nierenstau in der Schwangerschaft?
Ein Nierenstau in der Schwangerschaft (medizinisch: Hydronephrose oder Harnstau) bezeichnet eine Erweiterung des Nierenbeckens und der Nierenkelche, die durch eine Beeinträchtigung des normalen Harnabflusses entsteht. Dabei staut sich der produzierte Urin in der Niere, was zu einer Dehnung des Nierengewebes führen kann. In der Schwangerschaft ist ein leichter Nierenstau ein häufiges Phänomen und betrifft schätzungsweise 80 Prozent aller Schwangeren – meist auf der rechten Seite.
Ursachen
Der Nierenstau in der Schwangerschaft entsteht durch mehrere gleichzeitig wirkende Faktoren:
- Mechanischer Druck durch den Uterus: Der wachsende Gebärmutter drückt auf die Harnleiter (Ureteren) und erschwert den Abfluss des Urins. Dies betrifft besonders die rechte Seite, da der Uterus häufig leicht nach rechts rotiert.
- Hormoneller Einfluss: Das Schwangerschaftshormon Progesteron entspannt die glatte Muskulatur, was auch zur Erschlaffung der Harnleiterwand führt und den Harnabfluss verlangsamt.
- Erweiterung der Blutgefäße: Die erhöhte Nierendurchblutung in der Schwangerschaft kann ebenfalls zur Dilatation des Nierenbeckens beitragen.
- Vorbestehende Erkrankungen: Harnsteine, Harnwegsinfektionen oder anatomische Besonderheiten können einen bestehenden Nierenstau verstärken.
Symptome
Ein leichter physiologischer Nierenstau verläuft oft ohne Beschwerden und wird zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Bei ausgepraegteren Fällen können folgende Symptome auftreten:
- Dumpfe oder krampfartige Rückenschmerzen oder Flankenschmerzen, oft einseitig
- Druckgefühl im Nierenbereich
- Häufiger Harndrang oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Fieber und Schüttelfrost (Hinweis auf eine begleitende Nierenbeckenentzündung, Pyelonephritis)
- Trüber oder blutiger Urin
- Übelkeit und Erbrechen bei starker Nierendilatation
Treten Fieber, starke Schmerzen oder Blut im Urin auf, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, da eine unbehandelte Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind haben kann.
Diagnose
Die Diagnose eines Nierenstaus in der Schwangerschaft erfolgt in der Regel durch:
- Ultraschall (Sonographie): Die wichtigste und sicherste Untersuchungsmethode in der Schwangerschaft. Sie zeigt das Ausmaß der Nierenbeckendilatation ohne Strahlenbelastung.
- Urinuntersuchung: Zum Nachweis von Bakterien, Blut oder Entzündungswerten, die auf eine Infektion hinweisen.
- Blutuntersuchung: Bestimmung von Nierenretentionswerten (Kreatinin, Harnstoff) zur Beurteilung der Nierenfunktion sowie Entzündungsparameter (CRP, Leukozyten).
- MRT (Magnetresonanztomographie): Bei Bedarf und ohne Strahlenbelastung einsetzbar, um die Ursache des Nierenstaus genauer abzuklären.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere des Nierenstaus und den vorliegenden Beschwerden:
Konservative Maßnahmen
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Viel Trinken unterstützt die Nierenspülung und kann den Harnabfluss verbessern.
- Lagerung: Das Liegen auf der linken Seite kann den Druck des Uterus auf den rechten Harnleiter reduzieren und den Harnabfluss erleichtern.
- Schmerzbehandlung: Bei Bedarf können in der Schwangerschaft verträgliche Schmerzmittel (z.B. Paracetamol) eingesetzt werden – stets in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin.
Behandlung bei Infektionen
- Bei einer begleitenden Harnwegsinfektion oder Pyelonephritis ist eine Antibiotikatherapie notwendig. Die Auswahl des Antibiotikums erfolgt unter Berücksichtigung der Schwangerschaftssicherheit.
Interventionelle und operative Maßnahmen
- Bei schwerem Nierenstau mit drohender Nierenfunktionsbeeinträchtigung kann die Einlage einer Harnleiterschiene (Ureterschiene / DJ-Katheter) notwendig sein, um den Harnabfluss sicherzustellen.
- In seltenen Fällen wird eine perkutane Nephrostomie (Harnableitung durch die Haut direkt in das Nierenbecken) durchgeführt.
- Bei Harnsteinen als Ursache werden diese wenn möglich erst nach der Entbindung behandelt.
Verlauf und Prognose
Der physiologische Nierenstau in der Schwangerschaft bildet sich in den meisten Fällen nach der Entbindung spontan zurück. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Gynäkologen oder die Gynäkologin sowie den Urologen oder die Urologin sind empfehlenswert, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Eine unbehandelte Nierenbeckenentzündung kann das Risiko für eine Frühgeburt oder andere geburtshilfliche Komplikationen erhöhen, weshalb eine engmaschige Überwachung wichtig ist.
Quellen
- Weidner W, Krause W, Ludwig M (Hrsg.): Urologie & Andrologie. Springer Medizin Verlag, aktualisierte Auflage.
- Matuszkiewicz-Rowinska J, Malyszko J, Wieliczko M: Urinary tract infections in pregnancy: old and new unresolved diagnostic and therapeutic problems. Archives of Medical Science, 2015; 11(1): 67–77. PubMed PMID: 25861298.
- Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen – Epidemiologie, Diagnostik, Therapie und Management unkomplizierter bakterieller ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. AWMF-Register Nr. 043/044, aktuelle Fassung.