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Relaktation

Was ist Relaktation?

Relaktation bezeichnet den Prozess, bei dem eine stillende Person die Brustmilchproduktion nach einer Unterbrechung oder nach dem vollständigen Abstillen wieder aufnimmt. Dies kann Wochen oder sogar Monate nach dem letzten Stillen oder Abpumpen gelingen. In manchen Fällen versuchen auch Personen, die ihr Kind nie oder kaum gestillt haben, durch Relaktation eine Milchproduktion aufzubauen – diesen Prozess bezeichnet man auch als induzierte Laktation.

Relaktation ist physiologisch möglich, weil die Brustdrüse auf wiederholte Stimulation reagiert und erneut Milch produzieren kann. Der Erfolg hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Dauer der Stillpause, das Alter des Kindes und die Häufigkeit der Brust- oder Pumpenreizung.

Gründe für eine Relaktation

Es gibt viele verschiedene Gründe, weshalb Eltern eine Relaktation anstreben:

  • Frühzeitiges Abstillen aufgrund von Schwierigkeiten beim Stillen (z. B. Saugprobleme des Kindes, Schmerzen)
  • Krankheit der stillenden Person oder des Kindes mit anschließendem Stillstopp
  • Trennung von Mutter und Kind nach der Geburt (z. B. Intensivstation)
  • Fehlinformationen oder mangelnde Unterstützung beim Stillen
  • Veränderung des Wunsches nach Abstillen
  • Adoptivkinder oder Pflegekinder, für die eine Milchproduktion aufgebaut werden soll

Wie funktioniert Relaktation?

Der wichtigste Reiz für die Milchproduktion ist die regelmäßige Stimulation der Brustwarze und der Brust. Dabei spielen die Hormone Prolaktin (verantwortlich für die Milchbildung) und Oxytocin (verantwortlich für den Milchspendereflex) eine zentrale Rolle.

Schritte der Relaktation

  • Häufiges Anlegen: Das Kind wird so oft wie möglich an die Brust angelegt – idealerweise 8 bis 12 Mal pro Tag oder mehr. Auch nicht-ernährungsmäßiges Saugen (sogenanntes Komfortsaugen) regt die Prolaktinausschüttung an.
  • Abpumpen: Wenn das Kind nicht anlegen möchte oder kann, kann eine Milchpumpe eingesetzt werden, um die Brust regelmäßig zu stimulieren.
  • Haut-zu-Haut-Kontakt: Enges körperliches Nähesein (Bonding) fördert die Ausschüttung von Oxytocin und kann die Milchproduktion unterstützen.
  • Zusätzliche Ernährung: Während der Relaktation wird das Kind oft über ein Supplementiersystem (SNS) oder mit der Flasche zusätzlich ernährt, bis die Milchmenge ausreicht.

Wie lange dauert Relaktation?

Der Zeitraum, bis wieder eine ausreichende Milchmenge vorhanden ist, variiert stark und hängt unter anderem davon ab, wie lange die Stillpause war, wie alt das Kind ist und wie konsequent die Brust stimuliert wird. In manchen Fällen sind erste Milchtropfen bereits nach wenigen Tagen spürbar, in anderen Fällen dauert es mehrere Wochen. Nicht immer gelingt eine vollständige Relaktation – auch eine Teilstillung kann jedoch für Mutter und Kind wertvoll sein.

Unterstützung und Beratung

Relaktation ist ein anspruchsvoller Prozess, der professionelle Begleitung erfordert. Folgende Fachpersonen können dabei helfen:

  • Stillberaterinnen (IBCLC): International zertifizierte Stillberaterinnen bieten individuell angepasste Pläne und praktische Unterstützung.
  • Hebammen: Insbesondere in der ersten Zeit nach der Geburt stehen Hebammen als wichtige Ansprechpersonen zur Verfügung.
  • Kinderarzt oder Kinderpalliativmedizin: Zur Überwachung der Gewichtsentwicklung und des allgemeinen Gesundheitszustandes des Kindes.

In manchen Fällen werden auch galaktogoge Substanzen (milchproduktionsfördernde Mittel) eingesetzt, etwa Domperidon oder pflanzliche Präparate wie Bockshornklee. Der Einsatz solcher Mittel sollte jedoch stets ärztlich begleitet werden, da sie Nebenwirkungen haben können.

Chancen und Grenzen

Studien zeigen, dass Relaktation in vielen Fällen zumindest teilweise erfolgreich ist, besonders wenn das Kind noch jung ist und aktiv an der Brust saugen möchte. Entscheidend sind Motivation, regelmäßige Stimulation und eine gute Unterstützung. Es ist jedoch wichtig, realistische Erwartungen zu haben: Nicht jede Relaktation führt zu einer vollständigen Milchversorgung, und auch eine Teilstillung hat gesundheitliche Vorteile für das Kind.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO) - Infant and Young Child Feeding: Model Chapter for Textbooks, WHO Press, Genf, 2009.
  2. Gribble, K. D. - Mechanisms of Breastfeeding and Relactation, Journal of Human Lactation, 2004.
  3. Marquis, G. S. et al. - Relactation among women in low-income settings: A review, Maternal & Child Nutrition, 2020.
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