Was sind Restless Legs in der Schwangerschaft?
Restless-Legs-Syndrom (RLS) in der Schwangerschaft ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch einen unangenehmen, oft schmerzhaften Bewegungsdrang in den Beinen äußert. Betroffene beschreiben die Empfindungen häufig als Kribbeln, Ziehen, Brennen oder ein tief sitzendes Unruhegefühl in den Unterschenkeln. Die Symptome treten typischerweise in Ruhe auf – besonders abends und nachts – und bessern sich durch Bewegung vorübergehend. Schwangere Frauen sind besonders häufig betroffen: Schätzungen zufolge leiden bis zu 26 % aller Schwangeren an RLS, wobei die Beschwerden meist im dritten Trimester am stärksten ausgeprägt sind.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen des schwangerschaftsassoziierten RLS sind noch nicht vollständig geklärt, jedoch werden mehrere Faktoren als begünstigend angesehen:
- Eisen- und Folat-Mangel: Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Eisen und Folat stark an. Ein Mangel an diesen Nährstoffen gilt als einer der wichtigsten Auslöser für RLS, da Eisen für die Dopaminsynthese im Gehirn essenziell ist.
- Hormonelle Veränderungen: Der stark erhöhte Östrogenspiegel während der Schwangerschaft kann die Dopamin-Signalwege im zentralen Nervensystem beeinflussen und so RLS begünstigen.
- Genetische Veranlagung: Frauen mit einer Familiengeschichte von RLS haben ein erhöhtes Risiko, während der Schwangerschaft Symptome zu entwickeln.
- Veränderter Stoffwechsel und Durchblutung: Die veränderte Kreislaufsituation, Wassereinlagerungen und die zusätzliche Belastung der Beine können die Beschwerden verstärken.
- Koffein und Schlafmangel: Diese Faktoren können bestehende RLS-Symptome verschlechtern.
Symptome
Die typischen Symptome des Restless-Legs-Syndroms in der Schwangerschaft umfassen:
- Unangenehme Empfindungen in den Beinen (Kribbeln, Ziehen, Brennen, Stechen)
- Starker Drang, die Beine zu bewegen
- Auftreten oder Verschlimmerung der Symptome in Ruhe, besonders abends und nachts
- Vorübergehende Linderung durch Bewegung, Strecken oder Laufen
- Einschlaf- und Durchschlafstörungen durch die Beschwerden
- Tagesschifrigkeit und Erschöpfung als Folge des Schlafmangels
In seltenen Fällen können auch die Arme betroffen sein. Die Intensität der Beschwerden variiert stark von Person zu Person.
Diagnose
Die Diagnose des RLS in der Schwangerschaft wird in erster Linie klinisch gestellt, das heißt auf Basis der Krankengeschichte und der geschilderten Symptome. Es gibt keine spezifischen Labortests für RLS, jedoch werden folgende Untersuchungen empfohlen:
- Blutbild und Ferritinwert: Um einen Eisenmangel oder eine Eis-enmangelanämie auszuschließen oder zu behandeln.
- Folat- und Vitamin-B12-Spiegel: Da ein Mangel dieser Vitamine RLS begünstigen kann.
- Nierenfunction und Schilddrüsenwerte: Zum Ausschluss anderer Ursachen, die ähnliche Beschwerden verursachen können.
Die vier diagnostischen Kernkriterien nach der International Restless Legs Syndrome Study Group (IRLSSG) sind: Bewegungsdrang, Auftreten in Ruhe, Besserung durch Bewegung und Betonung der Symptome am Abend oder in der Nacht.
Behandlung
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
In der Schwangerschaft werden zunächst nicht-medikamentöse Ansätze bevorzugt, da viele Medikamente für das ungeborene Kind riskant sein können:
- Regelmäßige, moderate Bewegung: Spazierengänge, Schwimmen oder Yoga können die Symptome lindern.
- Schlafhygiene verbessern: Regelmäßige Schlafzeiten, ein kühles Schlafzimmer und Entspannungsrituale fördern den Schlaf.
- Wärme- oder Kälteanwendungen: Warme Bäder, Massagen oder Kältepackungen können vorübergehend Linderung bringen.
- Koffein und Nikotin meiden: Diese Substanzen können RLS-Symptome verstärken.
- Beinmassagen und Dehnungen: Besonders vor dem Schlafengehen hilfreich.
Nährstofftherapie
Da Eisen- und Folatmangel häufige Auslöser sind, ist die Kontrolle und gegebenenfalls Ergänzung dieser Nährstoffe ein zentraler Bestandteil der Behandlung:
- Eisenpräparate: Bei nachgewiesenem Eisenmangel (niedriger Ferritinwert) sollte Eisen oral oder in schweren Fällen intravenös zugeführt werden.
- Folatsäure: Schon vor und während der Schwangerschaft empfohlen; kann auch RLS-Symptomen entgegenwirken.
- Magnesium: Wird häufig bei Muskelkrämpfen und Beinbeschwerden in der Schwangerschaft eingesetzt, obwohl die Evidenz für RLS begrenzt ist.
Medikamentöse Therapie
Medikamente werden in der Schwangerschaft nur bei sehr starken, die Lebensqualität erheblich einschränkenden Beschwerden und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt. In Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin können in bestimmten Fällen niedrig dosierte Opioide oder andere Wirkstoffe erwägt werden. Dopaminagonisten, die bei nicht-schwangeren RLS-Patienten eingesetzt werden, sind in der Schwangerschaft in der Regel kontraindiziert.
Verlauf und Prognose
Eine gute Nachricht für Betroffene: Bei den meisten Frauen verschwinden die RLS-Symptome innerhalb weniger Wochen nach der Geburt von selbst. Bei einem kleinen Teil der Frauen können die Beschwerden jedoch anhalten oder sich zu einem chronischen RLS entwickeln, insbesondere wenn eine genetische Veranlagung vorliegt. Eine frühzeitige ärztliche Abklärung und konsequente Behandlung eines Eisen- oder Folatmangels verbessern die Prognose deutlich.
Quellen
- Allen RP et al. - Restless legs syndrome/Willis-Ekbom disease diagnostic criteria: updated International Restless Legs Syndrome Study Group (IRLSSG) consensus criteria. Sleep Med. 2014;15(8):860-873. (PubMed)
- Minar M et al. - Prevalence of restless legs syndrome in pregnant women: a systematic review. Neuro Endocrinol Lett. 2013;34(5):366-373. (PubMed)
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) - Leitlinie Restless-Legs-Syndrom (RLS) und Periodic Limb Movement Disorder (PLMD). 2022. (www.dgn.org)