-
DE
Rooming-in bezeichnet das gemeinsame Unterbringen von Mutter und Neugeborenem in demselben Krankenhaurzimmer nach der Geburt, in der Regel rund um die Uhr. Im Gegensatz zur früher verbreiteten Praxis, Neugeborene in zentralen Säuglingsstätionen getrennt von der Mutter unterzubringen, verbleibt das Kind beim Rooming-in direkt bei der Mutter. Dieses Konzept ist heute in vielen Geburtseinrichtungen weltweit Standard und wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie dem UNICEF im Rahmen der Baby-Friendly Hospital Initiative (BFHI) ausdrücklich empfohlen.
Rooming-in verfolgt mehrere medizinisch und psychologisch bedeutsame Ziele, die sowohl der Mutter als auch dem Neugeborenen zugutekommen:
Beim Rooming-in wird das Neugeborene direkt nach der Geburt – sofern der Gesundheitszustand von Mutter und Kind es erlaubt – im Zimmer der Mutter untergebracht. Das Bett oder Wägelchen des Neugeborenen steht in unmittelbarer Nähe des Bettes der Mutter. Pflegepersonal steht jederzeit zur Unterstützung bereit, besonders für erstmalige Mütter, die Anleitung beim Stillen, beim Wickeln oder beim Erkennen von kindlichen Bedürfnissen benötigen.
Es wird zwischen zwei Varianten unterschieden:
Rooming-in ist in der Regel möglich, wenn Mutter und Kind gesund sind oder nur geringe medizinische Betreuung benötigen. In bestimmten Situationen kann eine vorrübergehende Trennung notwendig sein, zum Beispiel bei:
In diesen Fällen wird angestrebt, den Kontakt zwischen Mutter und Kind so früh wie möglich wieder herzustellen.
Ein wesentlicher Vorteil des Rooming-in ist die enge Verbindung zum Stillverhalten. Studien zeigen, dass Mütter, die Rooming-in praktizieren, häufiger und länger stillen. Das frühzeitige Anlegen des Neugeborenen fördert die Ausschüttung von Oxytocin und Prolaktin – Hormonen, die für die Milchproduktion und die emotionale Bindung entscheidend sind. Die WHO und UNICEF empfehlen Rooming-in daher als eine der zehn Schritte zur erfolgreichen Stillförderung.
Die kontinuierliche Nähe von Mutter und Kind in den ersten Lebenstagen hat nachweislich positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Mutter. Sie fühlt sich sicherer im Umgang mit dem Neugeborenen, entwickelt ein größeres Selbstvertrauen in ihre elterliche Kompetenz und zeigt seltener Zeichen von postpartaler Angst oder Depression. Auch der Vater oder ein anderer Begleitpartner kann aktiv in das Rooming-in einbezogen werden, was die Eltern-Kind-Bindung zusätzlich fördert.