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Säuglingsdyschezie ist ein häufiges, benignes (gutartiges) Phänomen bei Säuglingen, typischerweise in den ersten Lebensmonaten. Betroffene Säuglinge zeigen charakteristisches Schreien, Pressen und Gesichtsroten für mehrere Minuten unmittelbar vor dem Stuhlgang – obwohl der Stuhl selbst weich oder flüssig ist. Dies unterscheidet die Säuglingsdyschezie klar von einer echten Verstopfung (Obstipation), bei der der Stuhl hart und trocken ist.
Der Begriff Dyschezie leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet sôviel wie „Schwierigkeit beim Stuhlgang“. Bei Säuglingen ist das Phänomen in der Regel harmlos und selbstlimitierend, also ohne medizinische Behandlung von allein verschwindend.
Die genaue Ursache der Säuglingsdyschezie liegt in einer noch nicht vollständig ausgereiften Koordination der Muskulatur des Beckenbodens. Um Stuhl auszuscheiden, müssen Säuglinge gleichzeitig zwei Mechanismen koordinieren:
Bei Säuglingen ist diese neuromuskulare Koordination noch in der Entwicklung. Statt den Schließmuskel zu entspannen, spannen die Babys ihn zunächst an, was zu sichtbarem Pressen und Schreien führt. Sobald die Koordination ausgereift ist, verschwindet das Symptom.
Typische Zeichen der Säuglingsdyschezie sind:
Die Symptome treten üblicherweise in den ersten Lebenswochen bis zum dritten oder vierten Lebensmonat auf und bessern sich danach spontan.
Es ist wichtig, die Säuglingsdyschezie von anderen möglicherweise ernsten Erkrankungen zu unterscheiden, die ähnliche Symptome verursachen können:
Bei anhaltenden Beschwerden, hartem Stuhl, ausbleibendem Stuhlgang, Blut im Stuhl oder starker Gewichtsabnahme sollte unbedingt eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Die Diagnose der Säuglingsdyschezie ist eine klinische Diagnose, das bedeutet, sie basiert hauptsächlich auf der Krankengeschichte und der Beschreibung der Symptome durch die Eltern. Eine körperliche Untersuchung durch den Kinderarzt dient dazu, andere Ursachen auszuschließen.
Gemäß den offiziellen Rom-IV-Kriterien (internationale Klassifikation funktioneller Magen-Darm-Erkrankungen) wird die Säuglingsdyschezie diagnostiziert, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
Da die Säuglingsdyschezie eine selbstlimitierende, funktionelle Störung ist, ist in den meisten Fällen keine spezifische Behandlung notwendig. Die wichtigste Maßnahme ist die Aufklärung und Beruhigung der Eltern.
Eltern sollten einen Kinderarzt aufsuchen, wenn: