Schnuller
Was ist ein Schnuller?
Ein Schnuller – auch als Beruhigungssauger, Nuckel oder Lutscher bezeichnet – ist ein Hilfsmittel für Säuglinge und Kleinkinder. Er besteht in der Regel aus einem Saugteil aus Silikon oder Naturkautschuk, einem Schild aus Kunststoff und einem Ring zum Halten. Der Schnuller nutzt den angeborenen Saugreflex des Kindes, der bereits im Mutterleib vorhanden ist, und dient vorrangig zur Beruhigung.
Arten von Schnullern
- Kiefergerechte (anatomische) Schnuller: Der Sauger ist an die Form des kindlichen Mundes angepasst und fördert eine gesunde Kieferentwicklung.
- Symmetrische Schnuller: Haben eine gleichmäßig runde Form und können in jeder Position verwendet werden.
- Naturkautschuk-Schnuller: Aus natürlichem Material gefertigt, besonders für Kinder mit Empfindlichkeiten geeignet.
- Silikon-Schnuller: Geruch- und geschmacksneutral, leicht zu reinigen und sehr langlebig.
Vorteile der Schnullerverwendung
Die Nutzung eines Schnullers kann für Säuglinge und Eltern verschiedene Vorteile bieten:
- Beruhigung: Der Saugreflex wirkt stressreduzierend und hilft dem Kind, sich zu entspannen.
- Einschlafhilfe: Viele Kinder schlafen mit einem Schnuller leichter ein.
- Schmerzlinderung: Bei kleinen Eingriffen oder Impfungen kann das Saugen das Schmerzempfinden des Säuglings verringern.
- SIDS-Prävention: Einige Studien deuten darauf hin, dass das Schlafen mit einem Schnuller das Risiko des plötzlichen Kindstodes (SIDS) reduzieren kann.
Risiken und mögliche Nachteile
Trotz der Vorteile gibt es auch potenzielle Risiken, die bei der Nutzung eines Schnullers berücksichtigt werden sollten:
- Zahnfehlstellungen: Langfristige und intensive Schnullernutzung über das dritte Lebensjahr hinaus kann die Kieferentwicklung und Zahnstellung negativ beeinflussen.
- Stillprobleme: Ein zu früher Schnullereinsatz (vor dem sechsten Lebenstag) kann die Etablierung des Stillens erschweren.
- Abhängigkeit: Manche Kinder entwickeln eine starke Gewohnheit, die das Abstillen vom Schnuller schwierig macht.
- Infektionsrisiko: Ein unhygienischer Schnuller kann Keime übertragen und Infektionen fördern.
Empfehlungen zur sicheren Nutzung
Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geben folgende Hinweise zur Schnullernutzung:
- Den Schnuller erst anbieten, wenn das Stillen gut etabliert ist (in der Regel nach der ersten Lebenswoche).
- Regelmäßige Reinigung des Schnullers – am besten durch Auskochen oder in der Spülmaschine.
- Den Schnuller nie in Süßigkeiten oder Honig tauchen, da dies Karies und im Fall von Honig eine lebensbedrohliche Säuglingsbotulismus-Erkrankung verursachen kann.
- Den Schnuller spätestens im zweiten bis dritten Lebensjahr abgewöhnen, um Kieferschäden zu vermeiden.
- Regelmäßig auf Materialermüdung und Risse prüfen und den Schnuller bei Beschädigung sofort ersetzen.
Wann sollte der Schnuller abgewöhnt werden?
Kindermediziner und Zahnarztverbände empfehlen, den Schnuller idealerweise zwischen dem 18. und 36. Lebensmonat schrittweise abzugewöhnen. Ein schrittweiser Entzug ist in der Regel schonender als ein abruptes Weglassen. Alternativen wie ein Schnullerbaum, Rituale oder Tröstungsgegenstände können den Übergang erleichtern.
Sicherheitsstandards und Normen
In Deutschland und der EU müssen Schnuller der EN 1400 Norm entsprechen. Diese legt sicherheitsrelevante Anforderungen fest, wie etwa Mindestgröße des Schildes (zur Vermeidung von Verschlucken), Reißfestigkeit des Saugteils sowie Schadstofffreiheit der verwendeten Materialien.
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Breastfeeding and the use of pacifiers. WHO, Genf, 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Empfehlungen zur Säuglingspflege und Schnullernutzung. DGKJ, Berlin, 2022. Verfügbar unter: https://www.dgkj.de
- American Academy of Pediatrics (AAP): SIDS and Other Sleep-Related Infant Deaths: Updated 2022 Recommendations for a Safe Infant Sleeping Environment. Pediatrics, 2022. DOI: 10.1542/peds.2022-057990