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Schwangerschaftscholestase

Was ist die Schwangerschaftscholestase?

Die Schwangerschaftscholestase (auch: intrahepatische Cholestase der Schwangerschaft, kurz ICP) ist eine schwangerschaftsspezifische Lebererkrankung. Bei dieser Erkrankung wird der normale Abfluss der Galle aus der Leber gestört, wodurch sich Gallensäuren im Blut der Mutter ansammeln. Die Erkrankung tritt meist im zweiten oder dritten Schwangerschaftsdrittel auf und betrifft weltweit etwa 0,5 bis 2 Prozent aller Schwangeren, in bestimmten Regionen wie Chile oder Skandinavien jedoch deutlich häufiger.

Obwohl die Schwangerschaftscholestase für die Mutter selten lebensbedrohlich ist, stellt sie ein erhöhtes Risiko für das ungeborene Kind dar und sollte daher stets ärztlich überwacht werden.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache der Schwangerschaftscholestase ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren, hormonellen Veränderungen und Umwelteinflüssen eine Rolle spielt.

  • Hormone: Die in der Schwangerschaft erhöhten Östrogen- und Progesteronspiegel beeinflussen die Gallensekretion der Leber und können bei genetisch veranlagten Frauen zur Cholestase führen.
  • Genetische Veranlagung: Mutationen in bestimmten Transporterproteinen der Leberzellen (z. B. ABCB4, ABCB11) erhöhen das Erkrankungsrisiko. Häufig besteht eine familiäre Häufung.
  • Mehrlingsschwangerschaften: Bei Zwillings- oder Drillingsschwangerschaften ist das Risiko erhöht, da die Hormonspiegel noch höher sind.
  • Vorherige Erkrankung: Frauen, die in einer früheren Schwangerschaft eine ICP hatten, tragen ein deutlich erhöhtes Wiederholungsrisiko (bis zu 70 Prozent).
  • Vitamin-D-Mangel: Einige Studien weisen auf einen möglichen Zusammenhang mit einem Vitamin-D-Mangel hin.

Symptome

Das Leitsymptom der Schwangerschaftscholestase ist ein intensiver, oft unerträglicher Juckreiz (Pruritus), der vor allem an den Handflächen und Fußsohlen beginnt und sich auf den gesamten Körper ausbreiten kann. Der Juckreiz verschlimmert sich häufig in den Abendstunden und nachts, was zu erheblichen Schlafstörungen führen kann.

  • Intensiver Juckreiz ohne sichtbaren Hautausschlag
  • Mögliche Gelbsucht (Ikterus) mit Gelbfärbung von Haut und Augenweiß
  • Dunkler Urin und heller, fettiger Stuhl
  • Übelkeit und allgemeines Unwohlsein
  • Erhöhte Müdigkeit

Die Symptome verschwinden in der Regel innerhalb weniger Wochen nach der Entbindung vollständig.

Risiken für das ungeborene Kind

Die Schwangerschaftscholestase kann ernste Komplikationen für das Ungeborene verursachen. Erhöhte Gallensäurewerte im mütterlichen Blut passieren die Plazenta und können die Herzfunktion des Kindes beeinträchtigen.

  • Erhöhtes Risiko für Frühgeburt
  • Veränderte fetale Herzaktivität (fetale Bradykardie)
  • Mekoniumabgang im Fruchtwasser (erster Stuhl des Kindes vor der Geburt)
  • In schweren Fällen: erhöhtes Risiko für intrauterinen Fruchttod (bei Gallensäurewerten über 40 µmol/l)

Diagnose

Die Diagnose der Schwangerschaftscholestase erfolgt anhand der typischen Beschwerden sowie durch Blutuntersuchungen. Dabei werden folgende Parameter bestimmt:

  • Gallensäuren im Serum: Der wichtigste Diagnoseparameter; Werte über 10 µmol/l gelten als erhöht.
  • Leberenzyme: Erhöhte Werte von ALT (Alanin-Aminotransferase) und AST (Aspartat-Aminotransferase) sind häufig nachweisbar.
  • Bilirubin: Kann bei schwerer Cholestase erhöht sein.
  • Ausschluss anderer Lebererkrankungen: Hepatitis, primär biliäre Cholangitis oder andere Ursachen müssen ausgeschlossen werden.

Zusätzlich wird eine regelmäßige Ultraschalluntersuchung und fetale Herzfrequenzüberwachung (CTG) empfohlen.

Behandlung

Die Behandlung der Schwangerschaftscholestase zielt darauf ab, den Juckreiz zu lindern, die Gallensäurewerte zu senken und das Kind zu schützen.

Medikamentöse Therapie

  • Ursodeoxycholsäure (UDCA): Das Mittel der ersten Wahl. Es verbessert den Gallenfluss, senkt die Gallensäurewerte im Blut und lindert den Juckreiz. Die Sicherheit für das ungeborene Kind gilt als gut belegt.
  • Rifampicin: Wird in schweren oder therapieresistenten Fällen als Ergänzung eingesetzt.
  • Vitamin K: Da die Aufnahme fettlöslicher Vitamine bei Cholestase gestört sein kann, wird Vitamin K zur Vermeidung von Blutungsrisiken bei Mutter und Kind empfohlen.

Entbindungszeitpunkt

In vielen Zentren wird bei bestätigter Schwangerschaftscholestase und erhöhten Gallensäurewerten eine frühzeitige Einleitung der Geburt zwischen der 36. und 38. Schwangerschaftswoche erwägt, um das Risiko einer ploetzlichen Komplikation für das Kind zu minimieren. Die genaue Entscheidung wird individuell mit dem behandelnden Arzt getroffen.

Unterstützende Maßnahmen

  • Kühle Bäder oder kühlende Lotionen zur kurzfristigen Linderung des Juckreizes
  • Lockere, atmungsaktive Kleidung tragen
  • Ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Verlauf und Prognose

Die Schwangerschaftscholestase ist in der Regel nach der Entbindung vollständig rückläufig. Die Symptome sowie die laborchemischen Veränderungen normalisieren sich meistens innerhalb von zwei bis acht Wochen nach der Geburt. Frauen mit einer durchgemachten ICP sollten über das erhöhte Wiederholungsrisiko in künftigen Schwangerschaften aufgeklärt werden. Zudem besteht langfristig ein leicht erhöhtes Risiko für Gallensteinerkrankungen und andere Lebererkrankungen.

Quellen

  1. Williamson, C. et al. - Intrahepatic cholestasis of pregnancy. The Lancet, 2023.
  2. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) - Leitlinie: Intrahepatische Schwangerschaftscholestase (ICP), 2020.
  3. Obstetric Cholestasis - Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG) Green-top Guideline No. 43, 2022.
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