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Sekretörisches Immunglobulin A (sIgA) ist die sekretörische Form des Antikörpers Immunglobulin A (IgA) und stellt den am häufigsten vorkommenden Antikörper in den Schleimhäuten des menschlichen Körpers dar. Es findet sich in großen Mengen in Speichel, Tränenflüssigkeit, Muttermilch, Darmsekret, Bronchialsekret sowie in weiteren Schleimhautsekréten. sIgA bildet die erste Verteidigungslinie des Immunsystems gegen Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Pilze, die über Schleimhäute in den Körper eindringen wollen.
sIgA unterscheidet sich strukturell vom im Blut zirkulierenden IgA. Während Serum-IgA überwiegend als Monomer vorliegt, besteht sIgA aus zwei IgA-Molekülen, die durch eine sogenannte J-Kette (Joining-Kette) miteinander verbunden sind. Diese dimere Struktur wird zusätzlich durch ein sekretörisches Stück (Secretory Component) stabilisiert, das von Epithelzellen produziert wird und das Antikörpermolekul vor dem enzymatischen Abbau in der rauen Schleimhautumgebung schützt. Dieser besondere Aufbau macht sIgA besonders widerstandsfähig gegen proteolytische Enzyme im Darm und anderen Sekreten.
sIgA erfüllt im menschlichen Körper mehrere wichtige immunologische Aufgaben:
Ein Mangel an sIgA ist der häufigste primäre Immundefekt beim Menschen. Betroffene haben eine erhöhte Anfälligkeit für wiederkehrende Infektionen der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts und der Harnwege. Darüber hinaus besteht ein erhöhtes Risiko für Autoimmunerkrankungen, allergische Erkrankungen und entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Ein sIgA-Mangel kann genetisch bedingt oder durch bestimmte Medikamente, Infektionen oder Ernährungsdefizite verursacht sein.
Die Messung von sIgA im Speichel oder im Stuhl wird zunehmend als Biomarker für den Immunstatus der Schleimhäute eingesetzt. Erniedrigte sIgA-Werte im Speichel können auf chronischen Stress, Übertraining bei Sportlern oder einen gestörten Immunstatus hinweisen. Erhöhte Werte können auf aktive Entzündungsprozesse oder Infektionen hindeuten.
Der Großteil des sIgA im Körper wird im darmassozierten lymphatischen Gewebe (GALT, Gut-Associated Lymphoid Tissue) produziert. Plasmazellen in der Darmschleimhaut sezernieren täglich mehrere Gramm sIgA in das Darmlumen. Diese immense Produktion unterstreicht die zentrale Rolle des Darms als Immunorgan.
Verschiedene Faktoren können den sIgA-Spiegel im Körper beeinflussen:
sIgA kann in verschiedenen Körpermaterialien gemessen werden: