Stillstreik
Was ist ein Stillstreik?
Ein Stillstreik (auch als Nursing Strike bekannt) beschreibt eine plötzliche Phase, in der ein säuglingsgestilltes Baby die Brust verweigert, obwohl es zuvor problemlos gestillt wurde. Dies kann für stillende Mütter sehr verunsichernd sein, ist jedoch in den meisten Fällen ein vorübergehendes Phänomen und kein Zeichen dafür, dass das Baby abgestillt werden möchte. Ein Stillstreik dauert in der Regel zwischen wenigen Stunden und mehreren Tagen, selten länger als eine Woche.
Ursachen eines Stillstreiks
Die Gründe für einen Stillstreik sind vielfältig. Häufige Auslöser sind:
- Zahnungsschmerzen: Das Durchbrechen der ersten Zähne kann das Saugen schmerzhaft machen.
- Erkrankungen: Ohrenentzündungen, Schnupfen, Mundpilz (Soor) oder andere Infekte können das Trinken erschweren oder unangenehm machen.
- Veränderungen im Alltag: Stress, Reisen, Wohnortwechsel oder Verlängerungen der Trennungszeiten können das Baby verunsichern.
- Veränderungen der Muttermilch: Eine veränderte Zusammensetzung durch Menstruation, Schwangerschaft oder Ernährungsumstellung kann den Geschmack der Milch beeinflussen.
- Starker Milcheinstrom: Ein zu starker Milchfluss kann das Baby überwältigen und dazu führen, dass es die Brust ablehnt.
- Neue Eindrücke: In bestimmten Entwicklungsphasen sind Babys sehr neugierig und leicht ablenkbar, was das Stillen erschwert.
- Reaktion auf Desinfektions- oder Pflegemittel: Veränderter Geruch der Brust durch neue Seifen oder Crèmes kann das Baby irritieren.
Symptome und Erkennen eines Stillstreiks
Ein Stillstreik äußert sich dadurch, dass das Baby:
- die Brust ablehnt, aber keine allgemeine Nahrungsverweigerung zeigt,
- unruhig oder quengelig an der Brust ist,
- nach kurzer Zeit aufhört zu trinken,
- weint oder den Kopf wegdreht, wenn es angelegt wird.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem Stillstreik und dem natürlichen Abstillen: Babys, die wirklich abstillen möchten, tun dies in der Regel schrittweise und erst ab einem Alter von etwa einem Jahr oder später.
Was Eltern tun können
Während eines Stillstreiks gibt es verschiedene Maßnahmen, die helfen können, das Stillen wieder aufzunehmen:
- Ruhe bewahren: Stress und Druck können die Situation verschlimmern. Geduld ist entscheidend.
- Hautkontakt: Viel Haut-zu-Haut-Kontakt (z. B. durch Tragen im Tuch) kann das Baby wieder an die Brust heranführen.
- Entspannte Umgebung: Stillen in einem ruhigen, abgedunkelten Raum kann abgelenkte Babys ansprechen.
- Stillen im Halbschlaf: Viele Babys nehmen die Brust leichter an, wenn sie müde oder halbschlafend sind.
- Unterschiedliche Stillpositionen: Das Ausprobieren neuer Positionen (z. B. liegend oder in Bewegung) kann helfen.
- Milchmenge aufrechterhalten: Wenn das Baby nicht trinkt, sollte die Milch abgepumpt werden, um die Milchproduktion zu erhalten und Milchstau zu vermeiden.
Wann ist ärztlicher Rat notwendig?
In den meisten Fällen ist ein Stillstreik harmlos und vorübergehend. Ärztlichen Rat sollte man suchen, wenn:
- das Baby Zeichen einer Erkrankung zeigt (Fieber, Ohrenschmerzen, Mundpilz),
- das Baby Anzeichen von Austrocknung zeigt (weniger nasse Windeln, trockene Mundschleimhaut),
- der Stillstreik länger als eine Woche andauert,
- die Mutter Schmerzen, Milchstau oder Anzeichen einer Brustentzündung (Mastitis) entwickelt.
Unterstützung und Beratung
Stillberaterinnen (z. B. zertifizierte IBCLC-Stillberaterinnen) sowie Hebammen können individuell und kompetent bei Stillproblemen unterstützen. In Deutschland bieten auch Örtliche Stillgruppen, La Leche League sowie Familienberatungsstellen Unterstützung an.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Breastfeeding. Verfügbar unter: https://www.who.int/health-topics/breastfeeding (abgerufen 2024)
- Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Stillen und Stillberatung in Deutschland. Bonn, 2022.
- Lawrence, R.A. & Lawrence, R.M.: Breastfeeding: A Guide for the Medical Profession. 8. Auflage. Elsevier, 2015.