-
DE
Die Stillzeit (auch Laktationszeit oder Stillphase genannt) bezeichnet den Zeitraum, in dem eine Mutter ihr Kind durch das Anlegen an der Brust mit Muttermilch ernährt. Dieser natürliche Vorgang beginnt kurz nach der Geburt und kann je nach individueller Entscheidung der Mutter sowie den Bedürfnissen des Kindes mehrere Monate bis Jahre andauern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Babys in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen und das Stillen bis zum zweiten Lebensjahr oder darüber hinaus fortzusetzen, sofern dies möglich ist.
Die Milchbildung, auch Laktation genannt, wird durch hormonelle Prozesse gesteuert. Kurz nach der Geburt sinkt der Spiegel von Östrogen und Progesteron, während das Hormon Prolaktin ansteigt. Prolaktin regt die Brustdrüsen zur Produktion von Milch an. Ein weiteres Schlüsselhormon ist Oxytocin, das den sogenannten Milchspendereflex auslöst und den Milchfluss beim Anlegen des Kindes begünstigt. In den ersten Tagen nach der Geburt wird Kolostrum (Vormilch) produziert, eine besonders nährstoff- und antikörperreiche Flüssigkeit, die das Immunsystem des Neugeborenen stärkt.
Während der Stillzeit hat die Mutter einen erhöhten Nährstoff- und Energiebedarf. Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung ist daher besonders wichtig.
Wunde oder gerissene Brustwarzen sind häufig auf eine falsche Anlegetechnik zurückzuführen. Eine Stillberatung kann helfen, die richtige Haltung zu erlernen und Beschwerden zu lindern.
Ein Milchstau entsteht, wenn Milch nicht vollständig abfließt und sich anstaut. Wird er nicht behandelt, kann sich eine Mastitis (Brustdrüsenentzündung) entwickeln, die mit Rötung, Schwellung, Schmerzen und Fieber einhergeht. Häufiges Anlegen, Wärme und bei Bedarf ärztliche Behandlung sind die Maßnahmen der Wahl.
Das Gefühl, nicht genügend Milch zu produzieren, ist ein häufiges Anliegen. Tatsächlicher Milchmangel ist selten. Häufiges Anlegen, ausreichend Trinken und Ruhe können die Milchproduktion anregen.
Viele Medikamente gehen in die Muttermilch über. Stillende Mütter sollten vor der Einnahme von Medikamenten stets ärztlichen Rat einholen. Die Datenbank LactMed (National Institutes of Health) bietet evidenzbasierte Informationen zur Verträglichkeit von Medikamenten in der Stillzeit.
Als Abstillen bezeichnet man den Prozess, bei dem die Muttermilcherhältung schrittweise reduziert und schließlich beendet wird. Ein sanftes, schrittweises Abstillen ist sowohl für die Mutter als auch für das Kind schonender als ein abruptes Beenden des Stillens. Das ideale Alter für das Abstillen ist individuell und richtet sich nach den Bedürfnissen von Mutter und Kind.
In einigen Fällen kann oder darf nicht gestillt werden, etwa bei bestimmten Infektionskrankheiten der Mutter (z. B. ungehämmte HIV-Infektion in Industrieländern), bei der Einnahme bestimmter Medikamente oder bei seltenen Stoffwechselerkrankungen des Kindes wie Galaktosamämie. In diesen Fällen steht geeignete Säuglingsnahrung als sichere Alternative zur Verfügung.