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Streptokokken in der Schwangerschaft

Was sind Streptokokken?

Streptokokken sind grampositive Bakterien, die in verschiedenen Gruppen eingeteilt werden. In der Schwangerschaft spielen vor allem zwei Arten eine wichtige Rolle: Gruppe-B-Streptokokken (GBS, auch Streptococcus agalactiae genannt) und Gruppe-A-Streptokokken (GAS, Streptococcus pyogenes). Während GBS-Bakterien häufig harmlos im Darm und in der Scheide vorkommen, können sie unter bestimmten Umständen ernsthafte Infektionen verursachen.

Gruppe-B-Streptokokken (GBS) in der Schwangerschaft

Etwa 10 bis 30 Prozent aller Schwangeren tragen Gruppe-B-Streptokokken in ihrer Scheidenflora, ohne davon zu wissen, da die Besiedlung (Kolonisierung) meist symptomlos verläuft. Das Problem entsteht bei der Geburt: Das Neugeborene kann beim Durchtritt durch den Geburtskanal mit diesen Bakterien in Kontakt kommen und eine schwere Infektion entwickeln.

Risiken für das Neugeborene

  • Frühinfektionen (innerhalb der ersten 7 Lebenstage): Lungenentzündung, Sepsis (Blutvergiftung), Hirnhautentzündung
  • Spätinfektionen (7 Tage bis 3 Monate nach Geburt): Meningitis, Sepsis
  • Erhöhtes Risiko bei Frühgeburt, vorzeitigem Blasensprung oder Fieber unter der Geburt

Risiken für die Mutter

  • Harnwegsinfektionen durch GBS
  • Gebärmutterentzündung (Endometritis) nach der Geburt
  • Selten: Sepsis oder Wundinfektion

Gruppe-A-Streptokokken (GAS) in der Schwangerschaft

Gruppe-A-Streptokokken können in der Schwangerschaft Rachenentzündungen (Streptokokken-Angina), Wundinfektionen und in seltenen Fällen eine lebensbedrohliche Sepsis nach der Geburt (puerperale Sepsis) verursachen. Anzeichen sind Fieber, Schüttelfrost und starke Bauchschmerzen nach der Entbindung, was sofortige medizinische Versorgung erfordert.

Symptome und Anzeichen

Viele Schwangere mit GBS-Besiedlung haben keine Beschwerden. Mögliche Hinweise auf eine Streptokokken-Infektion in der Schwangerschaft können sein:

  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen (Harnwegsinfektion)
  • Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber (bei GAS-Rachenentzündung)
  • Vaginalausfluss oder Juckreiz
  • Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Frühgeburtswehen oder vorzeitiger Blasensprung

Diagnose

In Deutschland wird im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge kein generelles GBS-Screening empfohlen, anders als in einigen anderen Ländern wie den USA. Die Diagnose einer GBS-Besiedlung erfolgt durch einen Abstrich aus dem Scheideneingang und After, meist zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche. Der Abstrich wird im Labor auf das Vorhandensein von Gruppe-B-Streptokokken untersucht. Bei Harnwegsinfekten kann GBS auch im Urinbefund nachgewiesen werden, was ebenfalls als positiver GBS-Befund gilt.

Behandlung und Prävention

Antibiotische Behandlung unter der Geburt

Bei nachgewiesener GBS-Besiedlung oder bestimmten Risikofaktoren erhalten Schwangere unter der Geburt eine vorbeugende Antibiotikabehandlung (intrapartale Antibiotikaprophylaxe, IAP). Das Mittel der Wahl ist in der Regel Penicillin G, das über eine Infusion verabreicht wird. Bei Penicillinallergie werden alternative Antibiotika eingesetzt. Diese Maßnahme reduziert das Risiko einer GBS-Frühinfektion beim Neugeborenen deutlich.

Wann ist eine Antibiotikaprophylaxe empfohlen?

  • Positiver GBS-Abstrich oder GBS-Nachweis im Urin in der aktuellen Schwangerschaft
  • GBS-erkranktes Kind aus einer früheren Schwangerschaft
  • Frühgeburt vor der 37. Schwangerschaftswoche
  • Fieber unter der Geburt (über 38 °C)
  • Blasensprung mehr als 18 Stunden vor der Geburt

Behandlung von Streptokokken-Infektionen

Aktive Streptokokken-Infektionen (z. B. Harnwegsinfektion, Rachenentzündung) werden während der Schwangerschaft mit geeigneten Antibiotika behandelt. Penicillin und Amoxicillin gelten in der Schwangerschaft als sicher. Auf eine frühzeitige Behandlung sollte geachtet werden, um Komplikationen zu vermeiden.

Wichtige Hinweise für Schwangere

Schwangere sollten ihren Frauenarzt oder ihre Frauenärztin über alle Beschwerden informieren, die auf eine Infektion hindeuten könnten. Der GBS-Abstrich kann als individuelle IGeL-Leistung (außerhalb des Standardvorsorgeprogramms) in der Praxis angeboten werden. Es empfiehlt sich, offen mit dem medizinischen Fachpersonal über das persönliche Risiko und die gewünschten Untersuchungen zu sprechen.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut (RKI): Steckbrief Gruppe-B-Streptokokken. www.rki.de
  2. Bundesverband für Frauengesundheit und Kinderheilkunde: Leitlinien zur GBS-Prophylaxe in der Geburtshilfe (2020).
  3. Verani JR, McGee L, Schrag SJ: Prevention of perinatal group B streptococcal disease. MMWR Recomm Rep. 2010;59(RR-10):1-36.
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