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Transepidermaler Wasserverlust

Was ist der transepidermale Wasserverlust?

Der transepidermale Wasserverlust (kurz: TEWL, englisch: transepidermal water loss) bezeichnet die passive Abgabe von Wasser durch die intakte Haut an die Umgebungsluft. Dieser Prozess findet kontinuierlich statt und ist vom aktiven Schweißen zu unterscheiden. Der TEWL ist ein anerkannter Messwert in der Dermatologie und dient als Indikator für die Integrität der epidermalen Hautbarriere.

Die äußerste Schicht der Haut, das Stratum corneum (Hornschicht), reguliert den Wasserhaushalt des Körpers, indem sie den unkontrollierten Wasseraustritt nach außen begrenzt. Ist diese Schutzschicht geschädigt oder gestört, steigt der TEWL an – ein Hinweis auf eine beeinträchtigte Barrierefunktion.

Bedeutung der Hautbarriere

Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers und erfüllt als physikalische Barriere eine Schutzfunktion gegenüber Umwelteinflüssen, Krankheitserregern und chemischen Substanzen. Gleichzeitig verhindert sie den übermäßigen Wasserverlust.

Die Hauptbestandteile dieser Barriere sind:

  • Korneozyten: abgestorbene, keratinreiche Zellen der Hornschicht
  • Interzelluläre Lipide: Ceramide, Cholesterin und freie Fettsäuren, die die Zellen wie eine Mauer umgeben
  • Natürlicher Feuchtigkeitsfaktor (NMF): hygroskopische Substanzen, die Wasser in der Hornschicht binden

Störungen in einem dieser Bestandteile – zum Beispiel ein Ceramidmangel oder genetische Veränderungen im Filaggrin-Gen – führen zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Haut und einem erhöhten TEWL.

Messung des transepidermalen Wasserverlusts

Der TEWL wird mithilfe spezieller Messgeräte, sogenannter Tewameter oder offener Kammergeräte, nicht-invasiv gemessen. Das Gerät wird auf die Hautoberfläche aufgesetzt und erfasst den Wasserdampfgradienten zwischen Haut und Umgebungsluft. Der Messwert wird in der Einheit g/(m²·h) (Gramm pro Quadratmeter pro Stunde) angegeben.

Typische TEWL-Werte bei gesunder Haut liegen je nach Körperstelle zwischen 2 und 10 g/(m²·h). Erhöhte Werte deuten auf eine gestörte Barrierefunktion hin. Die Messung wird durch Faktoren wie Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und körperliche Aktivität beeinflusst, weshalb standardisierte Bedingungen eingehalten werden müssen.

Ursachen eines erhöhten TEWL

Ein erhöhter transepidermaler Wasserverlust kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

  • Chronische Hauterkrankungen: besonders atopische Dermatitis (Neurodermitis), Psoriasis (Schuppenflechte) und Ichthyosen
  • Genetische Faktoren: Mutationen im Filaggrin-Gen führen zu einer strukturellen Schwäche der Hornschicht
  • äußere Einflüsse: übermäßiges Waschen, Verwendung aggressiver Seifen oder Detergenzien, chemische Reizstoffe
  • Umweltfaktoren: trockene Luft, Kälte, UV-Strahlung
  • Altershaut: Im Alter nimmt die Produktion von Lipiden und NMF ab, was den TEWL erhöht
  • Mechanische Einwirkungen: Kratzen, Scheuern oder Hautverletzungen

Zusammenhang mit Hauterkrankungen

Der TEWL ist besonders relevant bei der atopischen Dermatitis (Neurodermitis). Studien zeigen, dass Personen mit dieser Erkrankung – oft bereits im Säuglingsalter – einen signifikant erhöhten TEWL aufweisen, noch bevor sichtbare Symptome auftreten. Dies unterstützt die Theorie, dass eine gestörte Hautbarriere ein primärer Auslöser der Erkrankung ist und nicht nur eine Folge.

Auch bei Kontaktdermatitis, Psoriasis und anderen entzündlichen Dermatosen ist der TEWL erhöht, was die diagnostische Bedeutung dieser Messgröße unterstreicht.

Therapie und Reduktion des TEWL

Das Ziel therapeutischer Maßnahmen ist es, die Hautbarriere zu stärken und den Wasserverlust zu minimieren. Mögliche Strategien umfassen:

  • Emollienzien und Feuchtigkeitscremes: Produkte mit Ceramiden, Glycerin, Harnstoff (Urea) oder Hyaluronsäure fördern die Feuchtigkeitsbindung und reduzieren den TEWL
  • Okklusiva: Substanzen wie Vaseline oder Zinkpaste legen sich als Schutzfilm auf die Haut und verringern die Wasserverdunstung
  • Hautpflege-Routinen: kurze, lauwarme Duschen, Verzicht auf aggressive Reinigungsmittel, regelmäßiges Eincremen unmittelbar nach dem Baden
  • Medizinische Therapien: bei entzündlichen Erkrankungen können topische Kortikosteroide, Calcineurininhibitoren oder neue Biologika (z. B. Dupilumab) die Barrierefunktion verbessern
  • Erhöhte Raumluftfeuchtigkeit: besonders in Innenräumen während der Heizperiode

Klinische Relevanz und Forschung

Der TEWL hat sich als wertvolles Instrument in der klinischen Forschung und Dermatologie etabliert. Er wird eingesetzt zur:

  • Beurteilung der Wirksamkeit von Hautpflegeprodukten und Arzneimitteln
  • Früherkennung von Barrierestoörungen bei Säuglingen mit Risiko für Neurodermitis
  • Verlaufskontrolle chronischer Hauterkrankungen
  • Qualitätssicherung in der kosmetischen und pharmazeutischen Industrie

Neuere Forschungen untersuchen den Zusammenhang zwischen einem erhöhten TEWL im Säuglingsalter und der späteren Entwicklung von Allergien und Asthma, was den TEWL zu einem potenziellen Frühmarker im Bereich der Atopieprävention macht.

Quellen

  1. Proksch E, Brandner JM, Jensen JM. The skin: an indispensable barrier. Experimental Dermatology. 2008;17(12):1063-1072.
  2. Flohr C, England K, Radulovic S, et al. Filaggrin loss-of-function mutations are associated with early-onset eczema, eczema severity and transepidermal water loss at 3 months of age. British Journal of Dermatology. 2010;163(6):1333-1336.
  3. Fluhr JW, Darlenski R, Lachmann N, et al. Infant epidermal skin physiology: adaptation after birth. British Journal of Dermatology. 2012;166(3):483-490.
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