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Vormilch

Was ist Vormilch?

Vormilch, auch als Kolostrum oder Kolostralmilch bezeichnet, ist die erste Milch, die eine Mutter in den ersten Tagen nach der Geburt produziert. Sie wird bereits während der Schwangerschaft – meist ab der 16. bis 20. Schwangerschaftswoche – in der Brustdrüse gebildet und steht dem Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt zur Verfügung. Vormilch ist eine dickflüssige, meist gelblich bis orange gefärbte Flüssigkeit und unterscheidet sich in Zusammensetzung und Funktion deutlich von der später einsetzenden reifen Muttermilch.

Zusammensetzung der Vormilch

Vormilch hat eine einzigartige Nährstoffzusammensetzung, die speziell auf die Bedürfnisse des Neugeborenen abgestimmt ist:

  • Immunglobuline (Antikörper): Besonders Immunglobulin A (IgA) ist in hoher Konzentration enthalten. Es schützt die Schleimhäute des Neugeborenen vor Infektionen.
  • Leukozyten (weiße Blutkörperchen): Fördern die Immunabwehr des Kindes in den ersten Lebenstagen.
  • Wachstumsfaktoren: Unterstützen die Entwicklung und Reifung des Darms.
  • Proteine: Der Proteingehalt ist deutlich höher als in reifer Muttermilch.
  • Fette und Kohlenhydrate: In geringerer Menge vorhanden, aber ausreichend für die ersten Mahlzeiten.
  • Vitamine und Mineralstoffe: Insbesondere Vitamin A, Vitamin E, Zink und Magnesium sind in erhöhter Konzentration enthalten.
  • Laxative Wirkung: Vormilch fördert die Ausscheidung des ersten Stuhls des Neugeborenen (Mekonium), was das Risiko einer Neugeborenengelbsucht senkt.

Biologische Funktionen

Die Vormilch erfüllt mehrere wichtige Aufgaben für das Neugeborene:

  • Passiver Immunschutz: Da das Immunsystem des Neugeborenen noch nicht vollständig ausgereift ist, liefert die Vormilch lebenswichtige Antikörper, die das Kind vor Bakterien, Viren und anderen Krankheitserregern schützen.
  • Darmreifung: Wachstumsfaktoren und bioaktive Substanzen fördern die Reifung der Darmschleimhaut und tragen zur Etablierung einer gesunden Darmflora bei.
  • Erste Ernährung: Obwohl die Menge der Vormilch gering ist (etwa 2–20 ml pro Mahlzeit), reicht sie für die Bedürfnisse eines gesunden Neugeborenen in den ersten Tagen vollständig aus.
  • Bindungsförderung: Das frühzeitige Anlegen nach der Geburt stärkt die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind.

Dauer der Vormilchproduktion

Die Produktion von Vormilch dauert in der Regel 2 bis 5 Tage nach der Geburt. Danach geht sie über in die sogenannte Übergangsmilch, die sich innerhalb von etwa zwei Wochen zur reifen Muttermilch entwickelt. Reife Muttermilch hat einen höheren Fett- und Zuckergehalt, ist dünnflüssiger und weißlich gefärbt.

Bedeutung für Frühgeborene

Insbesondere für Frühgeborene ist die Vormilch von besonderer Bedeutung. Bei zu früh geborenen Kindern ist das Immunsystem noch weniger entwickelt, weshalb die Antikörper und Schutzfaktoren der Kolostrum-Milch besonders wichtig sind. Wenn das Frühgeborene nicht direkt angelegt werden kann, wird empfohlen, die Vormilch abzupumpen und dem Kind über eine Magensonde zuzuführen.

Empfehlungen von Gesundheitsorganisationen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der UNICEF empfehlen ausdrücklich, Neugeborene innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt anzulegen, damit sie von der Vormilch profitieren können. Das frühe Anlegen fördert zudem die Milchproduktion der Mutter und unterstützt das Stillen in den folgenden Wochen und Monaten.

Vormilch als Nahrungsergänzungsmittel

Rinder-Kolostrum (bovines Kolostrum) wird als Nahrungsergänzungsmittel für Erwachsene vermarktet und in Pulver- oder Kapselform angeboten. Es soll das Immunsystem stärken, die sportliche Leistungsfähigkeit verbessern und den Darm schützen. Die wissenschaftliche Evidenz für diese Anwendungen beim Menschen ist bisher begrenzt und nicht abschließend belegt. Interessierte sollten vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.

Quellen

  1. Weltgesundheitsorganisation (WHO): Infant and young child feeding. Geneva: WHO, 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/infant-and-young-child-feeding
  2. Ballard O, Morrow AL: Human milk composition: nutrients and bioactive factors. Pediatric Clinics of North America. 2013;60(1):49–74. PubMed PMID: 23178060.
  3. Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Stillen – Informationen für Fachpersonal. Berlin: BfR, 2022. Verfügbar unter: https://www.bfr.bund.de
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