Wunde Brustwarzen
Was sind wunde Brustwarzen?
Wunde Brustwarzen bezeichnen eine Reizung, Verletzung oder Entzündung der Brustwarze, die sich durch Schmerzen, Rötung, Risse, Krusten oder Blutungen äußern kann. Besonders häufig treten wunde Brustwarzen bei stillenden Müttern auf, können aber auch durch andere Ursachen wie Reibung, Hauterkrankungen oder Infektionen entstehen. In den meisten Fällen lässt sich das Problem mit der richtigen Behandlung und Prävention gut in den Griff bekommen.
Ursachen
Wunde Brustwarzen können viele verschiedene Ursachen haben:
- Falsches Anlegen beim Stillen: Die häufigste Ursache. Wenn das Baby nicht korrekt an der Brust angelegt wird, entsteht durch Sog und Reibung ein erhöhter Druck auf die Brustwarze.
- Kurzes Zungenbändchen (Ankyloglossie): Ein zu kurzes Zungenbändchen beim Säugling kann das korrekte Anlegen erschweren und zu wunden Brustwarzen führen.
- Pilzinfektionen (Soor): Eine Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans kann brennende, juckende und gerissene Brustwarzen verursachen.
- Bakterielle Infektionen: Bakterien können über kleine Hautrisse eindringen und Entzündungen auslösen.
- Mastitis: Eine Brustentzündung, die mit Schwellung, Rötung und Schmerzen einhergeht.
- Reibung durch Kleidung: Besonders bei sportlicher Aktivität kann enge oder raue Kleidung die Brustwarzen reizen.
- Hauterkrankungen: Neurodermitis oder Psoriasis können die Brustwarzenregion betreffen.
- Raynaud-Phänomen der Brustwarze: Durchblutungsstörungen, die zu Schmerzen und Verfärbungen der Brustwarze führen.
Symptome
Je nach Ursache können folgende Beschwerden auftreten:
- Schmerzen oder Brennen an der Brustwarze, besonders beim Stillen
- Rötung und Schwellung der Brustwarze oder des Warzenhofs
- Risse, Schrunden oder Blutungen
- Krusten oder nässende Stellen
- Juckreiz
- Weißliche Beläge (bei Pilzinfektion)
Diagnose
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung durch eine Hebamme, eine Still- und Laktationsberaterin (IBCLC) oder eine Ärztin bzw. einen Arzt. Bei Verdacht auf eine Infektion kann ein Abstrich entnommen werden, um den Erreger zu identifizieren. Zusätzlich wird das Stillverhalten beobachtet, um Anlageprobleme zu erkennen.
Behandlung
Maßnahmen beim Stillen
- Stillposition optimieren: Eine korrekte Anlegetechnik ist der wichtigste Schritt zur Heilung und Prävention.
- Stillberatung: Eine qualifizierte Stillberaterin kann individuelle Hilfestellung geben.
- Stillpause: In schweren Fällen kann eine kurze Stillpause mit Abpumpen sinnvoll sein.
Lokale Behandlung
- Wollf ett (Lanolin): Spezielles Wollf ett für stillende Mütter kann die Heilung von Rissen unterstützen und die Haut geschäft halten.
- Eigene Muttermilch: Das Auftragen von Muttermilch nach dem Stillen hat eine natürliche wundheilungsfördernde Wirkung.
- Feuchte Wundheilung: Hydrogel-Auflagen oder spezielle Stillhütchen können Linderung bringen.
- Antimykotika: Bei Pilzinfektionen werden ärztlich verschriebene Antipilzmittel eingesetzt.
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen oder Mastitis kann eine Antibiotikatherapie notwendig sein.
Prävention
- Atmungsaktive, weiche Stilleinlagen verwenden
- Brustwarzen nach dem Stillen an der Luft trocknen lassen
- Seife und aggressive Waschmittel im Brustwarzenbereich vermeiden
- Auf korrekte Anlegetechnik achten
Wann zum Arzt?
Ein Arztbesuch ist empfehlenswert, wenn:
- die Schmerzen trotz Optimierung der Stilltechnik anhalten
- Zeichen einer Infektion wie Fieber, Eiterbil dung oder starke Schwellung auftreten
- sich die Beschwerden verschlimmern oder nach einigen Tagen nicht verbessern
- Blutungen stark oder wiederkehrend auftreten
Quellen
- World Health Organization (WHO): Breastfeeding and Maternal Nutrition. Genf, 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/health-topics/breastfeeding
- Academy of Breastfeeding Medicine (ABM): ABM Clinical Protocol #26: Persistent Pain with Breastfeeding. Breastfeeding Medicine, 2016. DOI: 10.1089/bfm.2016.29002.abm
- Berghella V, Lockwood CJ, Barss VA: Postpartum Care. In: UpToDate, 2023. Abgerufen unter: https://www.uptodate.com